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Jungferngecko
© by Dieter M. Humbel


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Jungferngecko (Lepidodactylus lugubris)

( DUMERIL & BIBRON, 1836 )

Klasse: Kriechtiere - Reptilia
Ordnung: Schuppenkriechtiere - Squamata
Unterordnung: Echsen - Lacertilia
Familie: Geckos - Gekkonidae

 

Lepidodactylus lugubris
 
Lepidodactylus lugubris
 

Vorkommen: Weltweit über den gesamten Tropen- und Subtropengürtel
Grösse: 8 - 10 cm
Lebenserwartung: ca. 4-5 Jahre
Aktivität:
nachtaktiv
Charakter: gut verträglich
Klima: Tag ca.25 - 30°C/60 - 80% rel.F. - Nacht ca. 20°C/80 % rel.F.
Nahrung: Drosophilas, Fliegen, kleine Heimchen und Grillen, Obstbrei
Fortpflanzung: parthenogenetisch, adulte Weibchen legen alle 3-4 Wochen 2 hartschalige Eier
Inkubation: 60 - 100 Tage im Terrarium
 

Lepidodactylus lugubris
 
Lepidodactylus lugubris
 

 

 

 

 

 

 
     
     
 
     
Nachzucht 2007
 
Beachte die Drosophila melanogaster
Beachte die Drosophila melanogaster
Ein Tag alt
Ein Tag alt
Miniterrarium
Miniterrarium
Zwerg auf dem Finger
Zwerg auf dem Finger
... und schon neugierig
... und schon neugierig
 Relax
 Relax
etwa 1 Monat alt
etwa 1 Monat alt

 
 
     
 

Wieso kann ein Gecko über Glasscheiben laufen ?

Verbreitungsgebiet
Ursprünglich vermutlich Marshall Islands, heute praktisch auf dem gesamten Tropen- und Subtropengürtel vertreten. Bewohnt tiefliegende Regenwaldgebiete, ist aber als Kulturfolger auch in menschlichen Siedlungsräumen zu finden.

Klima
Tagsüber 25 - 30°C und 60 - 80% rLF, nachts auf Zimmertemperatur abfallend, die genaue Angabe von Klimawerten ist aufgrund des riesigen Verbreitungsgebietes schwierig. Hierzu müsste die genaue Herkunft bzw. die Linie des jeweiligen Tieres bekannt sein.

Grösse des Tieres
8 - 10 cm GL, Jungtiere beim Schlupf etwa 3 cm

Ernährung
Drosophilas, Fliegen, kleine Heimchen und Grillen, gelegentlich süsses Obst oder Obstbrei (ungezuckerter Babybrei, zerquetschte Banane). Da adulte Tiere laufend Eier legen, ist eine ausreichende Kalziumversorgung unabdingbar. Ich bestäube die Futtertiere hin und wieder mit Herpetal Complete T oder Herpetal Mineral + D3. Zudem steht den Tiere geriebene Sepiaschale zur Verfügung.

Besonderheiten
Lepidodactylus lugubris umfasst eine Vielzahl unisexueller Klon-Linien. Die Weibchen-Populationen pflanzen sich parthenogenetisch fort. Genetisch unterscheiden sich die Tiere innerhalb einer Linie nur minimal, während zwischen den einzelnen Linien z.T. relativ grosse Abweichungen bestehen. Aus Eiern parthenogenetischer Weibchen schlüpfen i.d.R. wieder parthenogenetische Weibchen. Männchen kommen nur sehr selten vor. Es gibt aber Berichte, dass in der Terrariumhaltung aus Eiern von Lepidodactylus lugubris Männchen schlüpften (ROESSLER, 1995).

Terrarium
Das Terrarium für mehrere Tiere sollte mind. die Masse 60x40x40 aufweisen und gut strukturiert sein. Eine gute Bepflanzung stabilisiert das Klima. Da die Tiere nachtaktiv sind, fällt der Beleuchtung eine untergeordnete Rolle zu. Eine LSR oder Energiesparlampe reicht aus. Eine UV-Versorgung ist nicht notwendig. Meine Tiere sind aber auch öfter tagsüber unterwegs. Meine Jungferngeckos wohnten eine Zeit lang mit zwei adulten Riesenschnurfüssern (Archispirostreptus gigas) zusammen in einem Terrarium. Die Schnurfüsser legten im Substrat (Walderde) ausgedehnte Höhlensysteme an und ich habe schon mehrfach beobachtet, dass diese Höhlen auch von den Geckos frequentiert werden.

Fortpflanzung
Die Fortpflanzung erfolgt partenogenetisch. Es reicht also ein einzelnes Tier für Nachwuchs. Das Weibchen legt alle 3 -4 Wochen zwei  meistens verklebte, hartschalige Eier. Gelegentlich wird auch nur ein Ei gelegt. Die Eier sowie die Jungtiere können im Terrarium belassen werden. Die Eier sind, vor allem wenn sie direkt ans Terrarium geklebt werden, kaum aus dam Becken zu entfernen, ohne dass sie zerstört werden. Die Inkubationszeit beträgt je nach Temperatur zwischen etwa 60 und 100 Tagen. Ich nehme meine Jungtiere, sofern ich sie erwische, aus dem Terrarium und halte sie die erste Zeit in Plast-Dosen, die mit Lüftungsflächen versehen sind. Als Bodengrund kommt Zewa-Papier zum Einsatz und als Klettermöglichkeit stehen einige dünne Äste und ein paar Plastikpflanzen zur Verfügung. Als Futter kriegen die Jungtiere Drosophilas (wobei Drosophila melanogaster schon fast zu gross ist, siehe Bild), Blattläuse und andere sehr kleine Insekten.
 

Krankheit und Missbildung

Auch Krankheiten und Missbildungen gehören leider immer wieder mit zur Terraristik. Hier zwei Fälle bei meinen Jungferngeckos:

Bild 1 zeigt ein schon etwas älteres Tier (ca. 4 Jahre), das an Osteomalazie erkrankt ist. Diese Krankheit äussert sich durch eine Aufweichung der Knochen durch einen Abbau von Kalzium. Häufig ist dabei, wie bei einer Rachitis, der Unterkiefer am auffälligsten betroffen. Weitere Anzeichen sind Koordinationsstörungen im Bewegungsablauf und Zitterkrämpfe. Das abgebildete Tier zeigt aber noch andere Symptome, die ich nicht dieser Krankheit zuordnen kann. So zeigt das rechte Auge einen Defekt, den ich erst auf dem Bild entdeckt habe. Vermutlich sind das alles letztendlich Altersbeschwerden, die letztendlich natürlich zum Tod führen. Dieses Tier wurde nach den Aufnahmen euthanasiert, um es von seinen Leiden zu erlösen.
Ob und wie weit die fehlende UV-Bestrahlung zur Erkrankung dieses Tieres beitrug, ist schwierig abzuschätzen. Die UV-Diskussion wird bei Lepidodactylus lugubris ziemlich kontrovers geführt.  Ich halte diese Art ohne UV und supplementiere dafür das Futter mit einem Vitamin D3-Präparat.
Das Tier trug übrigens trotz seines schlechten Zustandes noch 2 Eier in sich, die es kurz vor seinem Tod noch ablegte. Bei beiden Eiern handelte es sich aber um Wachseier.


Bild 1

 

Die Bilder 2, 3 und 4 zeigen missbildete Jungtiere, denen das linke bzw. beide Vorderbeine fehlen. Zuerst dachte ich an einen Unfall, eine genauere Begutachtung der Bilder (v.a. Bild 3) lässt aber den Schluss zu, dass die Tiere wohl schon so geschlüpft ist. Die Ursache solcher Missbildungen kann ich nicht sagen, vermute aber einen Gendefekt oder eine ungünstige Inkubation (die Eier werden im Terrarium belassen).
Das Tier mit zwei missbildeten Vorderbeinen war schon tot, als ich es fand. Das andere mit nur einem Vorderbein war in seiner Bewegungsfreiheit doch sehr stark eingeschränkt und konnte offensichtlich nur sehr schwer Beute machen, was seinen doch eher abgemagerten Gesamteindruck erklärt. Daher dürfte es auf Dauer kaum überlebensfähig gewesen sein, so dass ich es vorzog, es zu euthanasieren.
 


Bild 2

Aufgrund des fast gleichzeitigen Schlupfes kann davon ausgegangen werden, dass die beiden Tiere aus ein und demselben Gelege stammen. Auch ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das Gelege von dem kranken Weibchen stammt, nachweisen lässt sich dies allerdings nicht.


Bild 3


Bild 4

 

 

 

 

Literatur:
Jungferngeckos, Beate Röll, Natur und Tier-Verlag, ISBN: 3-937285-25-3

 

 

 
Weitergehende Infos: http://www.lepidodactylus.lugubris.de.vu
 
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