|
Als Endoparasiten bezeichnet man Organismen, die
sich zumindest zeitweise in anderen Lebewesen (dem Wirt) aufhalten und von
diesen profitieren, ohne selbst für den Wirt einen Nutzen zu bringen, ganz
im Gegenteil. Vielfach verursacht der parasitierende Organismus direkt (z.B.
Verletzungen) oder indirekt (durch Nährstoffentzug) Schäden am befallenen
Individuum. Man unterscheidet zwischen
apathogenen,
fakultativ pathogenen
und pathogenen Parasiten. Während erstere in der Regel keine gravierenden
Auswirkungen auf das Wirtstier haben, muss beim zweiten und dritten Typ
damit gerechnet werden, dass ein Tier ernsthaft erkrankt. Ein Unterschied
zwischen den einzelnen Parasitenarten besteht auch in deren
Fortpflanzungsverhalten. Während bei den Einen der Ganze Lebenszyklus im
selben Wirt stattfindet, brauchen andere einen oder gar mehrere
Zwischenwirte, um sich sexuell vermehren zu können. Speziell Parasiten mit
einem direkten Fortpflanzungszyklus stellen für Terrarientiere ein grosses
Risiko dar, da es durch den eingeschränkten Lebensraum immer wieder zu
Reinfektionen kommt. Braucht ein Parasit einen artfremden Zwischenwirt, der
im Terrarium normalerweise fehlt, ist eine sexuelle Fortpflanzung nicht
möglich. Diese Parasiten beschränken sich in der Regel auf Wildfänge.
Terrarientiere sind häufig von Endoparasiten befallen, ohne dass eine
Erkrankung erfolgt. Das Abwehrsystem gesunder Tiere ist häufig in der Lage,
die Parasiten in Schach zu halten. Durch einen äusseren Einfluss wie eine andere
Erkrankung, Stress, Klimawechsel usw. kann aber dieses Gleichgewicht schnell
aus den Fugen geraten und die Parasiten können sich unkontrolliert
vermehren.
Es ist nicht anzuraten, grundsätzlich jeden Endoparasitenbefall sofort
medikamentös zu behandeln. Erstens bedeutet eine solche Behandlung immer
auch eine Belastung für das behandelte Tier und zweitens töten Medikamente
meistens nebst dem Parasiten auch erwünschte oder gar notwendige Organismen
(Darmflora) ab. Zeigt ein Tier aber deutliche Symptome oder soll es mit
einem anderen, "sauberen" Tier zusammengeführt werden, ist eine Behandlung
sicher angebracht.
Die beste Behandlung nützt natürlich nichts, wenn sich das behandelte Tier
anschliessend sofort wieder infiziert. Deshalb gehört zu jeder Behandlung
auch eine minutiöse Reinigung und Desinfektion des Terrariums. Dabei ist zu
beachten, dass nicht jedes Desinfektionsmittel gegen jeden Parasiten hilft.
So werden zum Beispiel Kokzidien-Oozysten durch Alkohol oder Essig, sowie
andere normale Mittel nicht abgetötet. Hier braucht es spezielle Mittel wie
Neopredisan 135-1 oder
Interkokask®. Während der Behandlung sollten die
Tiere in einem spärlich eingerichteten und einfach zu reinigenden
Quarantänebecken untergebracht werden.
|
|
1. Nematoden
Nematoden (Fadenwürmer) bilden eine sehr
artenreiche Gruppe, deren Arten stark verbreitet sind. Fadenwürmer kommen
fast überall vor. Viele von ihnen leben als Parasiten in anderen Organismen,
unter anderem auch in uns Menschen oder in unseren Terrarientieren. Die
Infektion erfolgt i.d.R. über die Nahrungsaufnahme durch fäkal
verunreinigtes Futter oder Wasser oder auch über Einrichtungsgegenstände,
die mit Wurmeiern behaftet sind.
Parasitisch lebende Nematoden haben zum Teil ein sehr komplexes
Fortpflanzungsverhalten mit Wirten und Zwischenwirten. Es gibt aber auch
Arten, die eine direkte Entwicklung kennen.
Eine Behandlung befallener Reptilien und Amphibien drängt sich vor allem
dann auf, wenn das Wirtstier Symptome einer Erkrankung zeigt. Ob eine
Behandlung von an sich gesunden Tieren angebracht ist, löst immer wieder
grosse Diskussionen aus. Ich bin der Ansicht, dass es letztendlich immer
eine Abwägungssache ist. Will ich das Tier mit einem nicht befallenen
vergesellschaften, drängt sich wohl eine Behandlung auf. Auf der anderen
Seite hatte ich schon Tiere, die mitsamt ihren Oxyuren ein hohes Alter
erreicht haben.
Eine Behandlung sollte immer in Absprache mit einem reptilienkundigen
Tierarzt erfolgen. Ein Nematodenbefall bei
poikilothermen Tieren wird
häufig mit dem Wirkstoff Fenbendazol behandelt, der zum Beispiel in Panacur enthalten
ist. Die genaue Bestimmung des Medikamentes und dessen Dosierung ist
abhängig von der Tierart, der Kondition und des Gewichtes des Tieres und
somit Sache des Tierarztes. Ich mache hier ganz bewusst keine
Dosierungsangaben.
Häufig bei Terrarientieren auftretende Gruppen sind:
|
|
1.1 Ascariden (Spulwürmer)
Ascariden sind
grosse Rundwürmer, die einen direkten oder indirekten Fortpflanzungszyklus
haben. Während Arten mit direkter Entwicklung zu einem Massenbefall mit
entsprechenden Konsequenzen für das Wirtstier führen können, spielen
diejenigen mit indirektem Zyklus eine untergeordnete Rolle, da sie sich bei
einem ungeeigneten Wirt nicht mehr weiterentwickeln. Stark befallene Tiere
leiden unter Fressunlust (Anorexie) und können auch öfter halbverdaute
Nahrung wieder auswürgen.
|
|
1.2 Oxyuren (Madenwürmer)
Oxyuren kommen
ohne Zwischenwirte aus. Dadurch können sich im Terrarium mit der Zeit hohe
Populationen aufbauen, die, obschon Oxyuren nur eine geringe
pathogene
Wirkung haben, den Terrarieninsassen arg zusetzen können. Durch hygienische
Massnahmen kann die Vermehrung der Würmer in Schach gehalten werden. Zeigen
sich aber Anzeichen einer Erkrankung bei den Terrarienbewohnern, ist eine
Behandlung anzuraten.
|
|
1.3 Strongyliden (Zwergfadenwürmer)
Strongyliden sind kleine Würmer, die den Verdauungstrakt vor der
Speiseröhre bis zum Dünndarm befallen können. Bei starkem Befall treten
nekrotische Stellen auf, die zu bakteriellen Infektionen führen können.
Strongyliden werden normalerweise übers Wasser aufgenommen.
|
|
1.4 Rhabdiasiden (Lungenwürmer)
Rhabdiasiden befallen vorzugsweise die Lungen von Reptilien und
Amphibien und führen dort zu einer Beeinträchtigung des Gasaustausches. Dies
zeigt sich durch eine röchelnde Atmung und durch vermehrten Schleimausfluss
in den Rachen- und Maulbereich. Befallene Tiere leiden unter Fressunlust und
magern schnell ab. Unter Umständen kann auch der Maulbereich befallen
werden, was zu einer nekrotischen Zerstörung der Maulschleimhaut führen
kann.
|
|
1.5 Filarien (Fadenwürmer)
Filarien spielen bei Terrariumtieren wohl eine eher untergeordnete
Rolle, da sie von blutsaugenden Ektoparasiten übertragen werden. Bei
Wildfängen können diese dünnen, im Gewebe lebenden Würmer durchaus
auftreten, wo sie Gefässverschlüsse verursachen können.
|
|
1.6 Trematoden (Saugwürmer)
Die Klasse Trematoda besteht aus parasitär lebenden Plattwürmern, mit
sehr komplexen Entwicklungszyklen. Da sie alle mindestens einen
Zwischenwirt, der in Gefangenschaft in der Regel fehlt, spielen Trematoden
in der Terraristik eine eher untergeordnete Rolle. Wildfangtiere können aber
sehr wohl von Trematoden befallen sein, was zu einem erheblichen Entzug von
Nährstoffen und Mineralien führt. Ferner kann es durch die Anheftung der
Parasiten an der Darmwand zu Blutverlusten und Sekundärinfektionen kommen.
Eine Behandlung erfolgt üblicherweise mit dem Wirkstoff
Praziquantel, der
zum Beispiel in Cestocur enthalten ist. Näheres über die Anwendung und die
Dosierung ist beim reptilienkundigen Tierarzt zu erfahren.
|
|
1.7 Cestoden (Bandwürmer)
Auch die Klasse Cestoda gehört zu den Plattwürmern und auch sie brauchen
mindestens einen Zwischenwirt zur Fortpflanzung. Deshalb gilt für diese
Klasse dasselbe wie für die oben genannten Trematoden. Ein Befall bei
Wildfängen führt in erster Linie zu einem Nährstoffentzug beim Wirtstier.
Zudem führt die Anheftung der Würmer zu Schädigungen der Darmwand, was
wiederum infektiöse bakterielle Entzündungen hervorrufen kann. Behandelt
werden Cestoden ebenfalls mit dem Wirkstoff
Plaziquantel. Der Tierarzt weiss
näheres.
|
|
|
|
|
|
2. Weitere Würmer
Neben den Nematoden gibt es noch andere Stämme
von zum Teil parasitär lebenden Würmern: |
|
2.1 Acanthocephala (Kratzwürmer)
Kratzwürmer sind getrenntgeschlechtliche Darmparasiten, die zwingend
einen oder zwei Zwischenwirte brauchen. Dies sind meistens Gliederfüsser wie
Insekten oder Krebstiere. Als Endwirte kommen Fische, Amphibien, Reptilien,
Säuger und Vögel in Frage. Durch den obligatorischen Zwischenwirt kommen
Kratzwürmer in der Terraristik selten vor, können aber z.B. durch die
Verfütterung von Bachflohkrebsen auf Terrarientiere übertragen werden.
Üblicherweise wird ein Kratzwurmbefall mit dem Wirkstoff
Ivermectin
behandelt. Da Besonders Reptilien sehr empfindlich auf Ivermectin reagieren,
ist in jedem Fall ein reptilienkundiger Tierarzt zu konsultieren.
|
|
|
|
|
|
3. Protozoen (Einzeller) Neben den Nematoden spielen im
Terrarium vor allem auch verschiedene Einzeller eine wesentliche Rolle.
Diese Einzeller sind heute in einem eigenen Reich der Protista
zusammengefasst. Einige dieser Einzeller führen ein parasitäres Leben und
spielen deshalb in der Terraristik ebenfalls eine tragende Rolle.
Auch bei Protozoen hängt eine allfällige Behandlung der befallenen Tiere von
einer Vielzahl von Faktoren ab. Dabei muss man sich immer vor Augen halten,
dass eine medikamentöse Behandlung für den Patienten auch eine ziemliche
Belastung darstellt und dem Tier vielleicht mehr schadet als die Parasiten
selber. So sind mir vor Jahren zwei Bartagamen langfristig durch die
Therapie mit Baycox eingegangen, während andere Tiere seit langem problemlos
mit einem Befall leben. Es ist auch immer zu bedenken, dass ein Medikament
in der Regel nicht nur den Zielorganismus eliminiert, sondern auch die ganze
sonstige (und notwendige) Darmflora arg beeinträchtigt. Letztendlich ist
auch hier wieder ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem Tierarzt
angebracht.
Die wichtigsten Ordnungen:
|
|
3.1 Coccidia (Kokzidien)
Die in der Terraristik wohl am meisten verbreitete Ordnung sind die
Kokzidien. Dabei dürfte vor allem die Gattung Eimeria eine wesentliche Rolle
spielen. Eimeria vermehrt sich ohne Zwischenwirt, was natürlich zu einem
stark erhöhten Infektionsrisiko bei Terrariumtieren führt. Kokzidiose, so
nennt man die durch Kokzidien hervorgerufene Krankheit, kann zu Durchfall,
Anorexie, Apathie und schlimmstenfalls zum Tod des Patienten führen.
Eigene Erfahrungen zeigen aber, dass Tiere auch über Jahre völlig problemlos
mit Kokzidien leben können. Speziell bei Bartagamen muss man, aufgrund der
sehr häufigen Befallmeldungen davon ausgehen, dass wahrscheinlich ein
grosser Teil des heutigen Bestandes von Kokzidiose betroffen ist. Der
Umstand, dass Kokzidien nicht immer im Kot nachgewiesen werden können, führt
dazu, dass trotzdem ein grosser Teil der Kotproben negativ ausfällt. Eine
wissenschaftlich begleitete Studie über Kokzidiose bei Bartagamen (oder auch
bei anderen Terrariumbewohnern) ist mir aber nicht bekannt und so bleibt das
Ganze natürlich auch etwas spekulativ.
Die Behandlung von Kokzidiose erfolgt häufig mit dem Wirkstoff
Toltrazuril,
der unter anderem in Baycox enthalten ist. Der Tierarzt kann sicher
weiterhelfen. Eine Behandlung macht natürlich, wie auch bei allen anderen
Parasiten, nur dann Sinn, wenn sie mit einer Gesamtsanierung des Terrariums
einhergeht. Die Tiere werden zur Behandlung in ein rudimentär eingerichtetes
Quarantänebecken gesetzt und parallel wird ihr Terrarium vollständig
ausgeräumt, gereinigt und desinfiziert. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
die Dauerform von Kokzidien, die so genannten
Oozysten, sehr
widerstandsfähig sind und herkömmliche Desinfektionsmittel problemlos
überstanden werden. Hier ist zu speziellen Mitteln wie
Neopredisan 135-1
oder Interkokask® zu greifen und die Gebrauchsanweisung genau einzuhalten.
Über die Hitzebeständigkeit der Oozysten gehen die Meinungen stark
auseinander, während die einen sagen, dass sie bei 80°C während 2 Minuten
absterben, sprechen andere davon, dass sie kurzzeitig bis zu 400°C
überstehen. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen.
Eine andere Kokzidiengattung, die einem in der Terraristik über den Weg
laufen kann, ist Isospora. Diese hat vor allem die unangenehme Eigenschaft,
dass sie auch den Menschen befallen kann (Isospora belli). Hier sind
natürlich spezielle Hygienemassnahmen sicher nicht fehl am Platz.
Eine weitere Gattung, die gemäss gültigem Taxon zu den Kokzidien gezählt
wird, sind Choleo-Eimerien. Neuere Erkenntnisse zeigen aber, dass diese
Zuordnung wohl falsch sein dürfte. Darin lässt sich auch begründen, dass Choleo-Eimeria resistent gegen Toltrazuril ist und daher gegen diese
Einzeller zurzeit keine wirksame Therapiemöglichkeit existiert. Hier helfen
nur optimale Haltungsparameter und eine gesunde Hygiene.
Ebenfalls zu den Kokzidien werden aktuell (noch) Kryptosporidien gezählt. Da
dies aber berechtigterweise sehr umstritten ist, habe ich diesen einen
eigenen Abschnitt gewidmet.
|
|
3.2 Flagellaten (Geisseltierchen)
Auch Flagellaten gehören zu den Protozoen und sind in der Terraristik
ziemlich verbreitet. Insbesondere die Gattung Trichomonas ist hier von
Bedeutung. Obschon Trichomonaden zur normalen Darmflora gehören, können sie
bei einem Massenbefall zu Problemen führen. Eine der möglichen, durch
Trichomonaden verursachten Krankheiten, ist die Enteritis, eine Entzündung
des Darmes. Zur Behandlung von Flagellaten wird normalerweise der Wirkstoff
Metronidazol, der zum Beispiel in Flagyl enthalten ist, eingesetzt. Bei
meinen Uroplaten habe ich die Erfahrung gemacht, dass Metronidazol nicht
sehr gut vertragen wird. Sämtliche behandelten Tiere (Uroplatus sikorae und
Uroplatus fimbriatus) stellten während oder nach der Behandlung für mehrere
Tage (bis etwa 2 Wochen) das Fressen vollständig ein und gingen auch
anschliessend nur sehr schlecht ans Futter, obschon sie vor der Behandlung
sehr gute Fresser waren. Von daher stellt sich für mich die Frage: Ist eine
Behandlung überhaupt sinnvoll und wenn ja, ab welcher Befallstärke. Ich
denke, diese Frage muss im Einzelfall unter Berücksichtigung der jeweiligen
Umstände geklärt werden. Der reptilienkundige Tierarzt kann dabei sicher
helfen.
|
|
3.3 Cryptosporidium (Kryptosporidien)
Auch Kryptosporidien sind Einzeller, die bei Reptilien gelegentlich
auftreten. Sie werden derzeit (noch) zu Coccidia gezählt, wobei diese
Zuordnung umstritten ist. Für Reptilien sind vor allem Cryptosporidium
serpentis und Cryptosporidium saurophilum gefährlich. Die Hauptprobleme bei diesen Parasiten liegen darin,
dass sie einen direkten Fortpflanzungsprozess haben und dass es
aktuell keine Therapiemöglichkeit gibt und die Krankheit dadurch über kurz
oder lang meistens tödlich verläuft. Terrariumtiere, die ohne ersichtlichen
Grund, plötzlich tot im Terrarium liegen, sollten, um den restlichen Bestand
zu schützen, auf Kryptosporidien untersucht werden.
Mittels einer normalen parasitologischen Kotuntersuchung (Flotation, M.I.F.C.)
kann eine Kryptosporidiose m.W. nicht nachgewiesen werden. Dazu muss die
Probe mittels einer Kontrastfärbung (Ziehl-Neelsen-Färbung) untersucht
werden. Dies muss in der Regel beim Labor separat beantragt werden.
Hier sei noch ein zusätzlicher Hinweis, den ich in einem Reptilienforum
erhalten habe, angebracht: Die Durchführung einer Immunoassay (Nachweis von
Antigenen mittels eines Standardverfahrens der Immundiagnostik) stellt beim
Vorliegen von nativem Gewebematerial (verendetes Tier) eine sichere Methode
dar, um Kryptosporidien oder auch ihre Abwesenheit eindeutig nachzuweisen
(danke, Sven :-) )
Kryptosporidien sind wohl der Alptraum jedes Terrararianers. Deshalb hier
noch ein Link zu
detaillierten Informationen über diese Endoparasiten.
|
|
3.4 Amöben (Wechseltierchen)
Amöben siedeln sich bei Reptilien im Darm und in der Leber an und
verursachen Blutungen und Geschwüre. Meistens handelt es sich dabei um
Entamoeba invadens. Eine Übertragung von Entamoeba invadens auf den Menschen
ist nicht möglich. In der Terraristik stellen bezüglich Amöben vor allem
Schildkröten ein Problem dar, da sie häufig latent von Entamoeba invadens
befallen sind, ohne an einer Amöbiasis zu erkranken. Kommen diese Tiere mit
anderen Reptilien in Kontakt, können die Amöbenzysten über den Kot
übertragen werden und zu ernsthaften Erkrankungen und innerhalb weniger Wochen
zum Tod des Tieres führen. Deshalb sollten Schildkröten nie mit anderen
Reptilien zusammen gehalten werden. Befallene Tiere fallen durch
Futterverweigerung und durch blutigen, schleimigen Kot auf. Amöben werden
mit dem Wirkstoff Metronidazol (z.B. Flagyl) bekämpft.
|
|
3.5 Ciliata, Chilophora
(Wimpertierchen)
Ciliaten kommen vor allem im Wasser vor, weshalb vorwiegend Amphibien
und Fische von den parasitär lebenden Arten dieser Lebewesen betroffen sind.
Wimpertierchen können aber auch bei Reptilien, Säugern und Vögeln auftreten.
Die meisten Arten gelten als apathogen bis nur gering
pathogen, das heisst,
sie sind nicht als Erreger ernsthafter Krankheiten bekannt, so dass eine
Behandlung in der Regel nicht erforderlich ist.
Eine Ausnahme bildet die Gattung Balantidium, welche auch bei Reptilien zu
Problemen führen kann. Aber vor allem beim Menschen kann Balantidium coli
zu ernsthafen Erkrankungen führen (Balantidenruhr). Deshalb sind hygienische
Massnahmen in diesem Fall absolut unerlässlich und eine Behandlung der
betroffenen Tiere mit Metronidazol ist sicher in Betracht zu ziehen.
Der wohl bekannteste Vertreter der Ciliaten ist übrigens das
Pantoffeltierchen (Paramecium sp.), das in heimischen Gewässern ein
wichtiger Bestandteil des Ökosystems darstellt.
|
|
3.6 Hexamita (Hexamiten)
Hexamiten führen vor allem bei Land- und Wasserschildkröten zu
ernsthaften Erkrankungen. Die Parasiten befallen über den Darm andere Organe
wie Leber und Nieren, wo sie pathologische Veränderungen verursachen. Diese
Schädigungen enden häufig mit dem Tod des Wirtstieres. Schwache Tiere sind
natürlich speziell anfällig. Symptome eines Hexamitenbefalls sind nur schwer
erkennbar. Meistens ist aber eine gewisse Apathie der Tiere feststellbar.
Zur Behandlung von Reptilien wird der Wirkstoff
Metronidazol oder
Dimetridazol eingesetzt.
|
|
|
|
|