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Phelsuma grandis ist eine der
grössten Phelsumenarten, was ja ihr Artname schon verdeutlicht. Daneben
gibt es noch die Schwesterarten Phelsuma madagascariensis,
und Phelsuma kochi, welche aber alle
kleiner bleiben als Grandis. Der Grosse Madagaskar-Taggecko ist eine robuste und
kräftige Echse, die sich gut für die Terrariumhaltung eignet und auch
Reptilienanfängern durchaus empfohlen werden kann. Männchen werden 25 - 30 cm
lang, Weibchen bleiben ein paar cm kleiner. Die Grundfärbung der Tiere ist ein
sattes Gras- bis Hellgrün, welches mit dunkelroten Flecken auf dem Rücken
gespickt ist. Eine rote Linie vom Nasenloch bis zum Auge, sowie eine V-förmige
rote Zeichnung auf der Stirn charakterisiert diese Art. Phelsuma grandis
sollte einzeln oder pärchenweise gepflegt werden. Adulte Männchen oder Weibchen sind
untereinander
unverträglich.
Wie viele Geckos besitzt auch diese Art verbreiterte Zehen mit Haftlamellen, die
es den Tieren erlauben, sich an sehr glatten Oberflächen (z.B. Glasflächen)
problemlos festzuhalten.
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Wieso kann ein Gecko über Glasscheiben laufen ?
RAXWORTHY et al. (2007) haben Phelsuma madagascariensis grandis in den
Artstatus gehoben, somit heisst die Art nun Phelsuma grandis. Auch
Phelsuma madagascariensis madagascariensis und Phelsuma mad. kochi wurde der
Artstatus zugesprochen, also Phelsuma madagascariensis und Phelsuma
kochi. Phelsuma madagascariensis boehmei wird als Synonym von Phelsuma
madagascariensis angeschaut und wurde somit gestrichen, da die
Unterscheidung anhand der dunklen Zwischenschuppenhaut als nicht gesichert gilt.
Die neue Taxonomie ist umstritten.
HALLMANN et al. (2008) und ROCHA et al. (2008, 2010) anerkennen die Rückführung
von Phelsuma madagascariensis boehmei zu Phelsuma madagascariensis
nicht, da sie sich nicht nur phänotypisch, sondern auch genetisch deutlich von der
Nominatform unterscheidet.
Verbreitung / Lebensraum
Der Grosse Madagaskar-Taggecko ist endemisch auf Madagaskar (inkl. Nosy Bé)
und bewohnt dort die Regenwälder im Norden des Landes. Im Bereich der
Masoala-Halbinsel in Nordosten überlappt sich das Verbreitungsgebiet mit demjenigen von
Phelsuma
madagascariensis Er gilt als Kulturfolger
und ist auch in menschlichen Siedlungen zu finden. Wie ihr Trivialname schon
sagt, sind die Echsen tagaktiv.

Lebensraum in Maroantsetra |

Lebensraum um Maroantsetra |
Ernährung:
Phelsuma grandis ist omnivor. Die Tiere fressen vorwiegend
Insekten und süsse Früchte . Im Terrarium können sie gut
mit Grillen, Heuschrecken und Fliegen gefüttert werden. Gelegentlich können
auch Zophobas gereicht werden. Phelsumen im Terrarium neigen zur Verfettung und
dürfen deshalb nur sparsam gefüttert werden. Zusätzlich wird
ein zuckerloser Früchtebrei (meine Mischung: Banane, Honig, Herpetal und
geriebene Sepiaschale) gereicht. Eine ausreichende Versorgung mit
Vitaminen (z.B. Korvimin ZVT, Herpetal Complete T oder Reptivite) und Kalzium (Sepiaschale) muss gewährleistet sein.
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Terrarium:
Phelsumen sind gute Kletterer. Sie brauchen ein hohes, gut bepflanztes
Terrarium, nach Möglichkeit aus Glas, denn Phelsumen lieben Glasflächen. Die
Temperatur sollte bei 26 – 30 °C, nachts bei ca. 20 °C liegen, die
Luftfeuchtigkeit bei etwa 60 - 70 bzw. 80 - 90 % liegen. Mein Terrarium ist mit
Vanille, Sansivarien und einer Tilandsie bepflanzt. Ausserdem ist es mit
etlichen dicken Bambusröhren bestückt, welche vertikal, aber auch horizontal
angebracht sind. Phelsumen sind Sonnenanbeter, daher brauchen sie eine gute
Terrariumbeleuchtung. Ich setze bei mir zwei T5-Biolichtröhre mit 5900 Kelvin,
eine Bright Sun Desert 70W, die schon einige Monate in Betrieb war, als
UV-Versorgung und einen Halogenspot als zusätzlichen Wärmeplatz ein. Alle Lampen
sind über dem Terrarium angebracht (über der Drahtgaze).
Fortpflanzung:
Wenn die Tiere der Jahresrhythmik ihrer Herkunft gehalten werden, legt
das Phelsuma grandis-Weibchen saisonbedingt alle paar Wochen ein Doppelei in
die Blattachsel einer Pflanze oder ins offene Ende einer Bambusröhre
(Ei-Freileger). Eine Jahreszeitrhythmik drängt sich auf, um dem Muttertier
Erholungzeiten zu ermöglichen.
Die Eier haben eine Grösse von 14x16 bis 15x17 mm und werden bei etwa 25 - 32 °C im Terrarium oder im Inkubator gezeitigt und
nach etwa 50 - 65 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Phelsuma grandis zeigt
eine thermosensitive Gonadendifferenzierung, d.h. dass das Geschlecht der
Jungtiere von der Inkubationstemperatur abhängig ist. Bei einer
Bebrütungstemperatur von 22-26 °C schlüpfen ausschliesslich Weibchen, bei 28-32
°C nur Männchen. 26-28 °C ergibt gemischte Geschlechter der Jungtiere. Eine
Nachtabsenkung um ein paar Grad fördert die Gesundheit der Jungtiere und soll zu
einem ausgeglichenerem Geschlechterverhältnis führen .
Aufzucht:
Die Jungtiere können anfänglich in Gruppen aufgezogen werden, werden aber
schnell mal streitsüchtig (bei meinen NZ war das schon nach ein paar Tagen der
Fall) und müssen getrennt gehalten werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass
Jungtiere eher zusammengehalten werden können, wenn sie in einem kleinen
Aufzuchtbecken untergebracht sind. Bei einem (zu) grossen Aufzuchtterrarium
können die Tiere schon früh Reviere bilden und diese entsprechend verteidigen.
In einem kleinen Becken ist die Revierbildung nicht möglich und die Tiere
vertragen sich. Diesen Umstand sollte man sich natürlich nur während der ersten
Zeit der Aufzucht zu nutze machen. Keinesfalls darf daraus eine dauerhafte
Haltungsmethode entstehen, um Streitigkeit zum Vornherein zu verhindern. Mit
etwa einem Jahr wird die Geschlechtsreife erreicht.
Jungtiere dürfen auf keinen Fall im Terrarium der Eltern aufgezogen werden. Das
gilt im Übrigen für alle Phelsumenarten (ausser Phelsuma klemmeri). Die
Elterntiere erkennen die Jungtiere nicht als eigenen Nachwuchs und attackieren
sie auf Gröbste. Das nebenstehende Bild zeigt, wie ein Jungtier aussieht,
nachdem es seinem Vater begegnet ist. Das Junge ist aus einem Gelege geschlüpft,
das im Terrarium übersehen wurde und konnte erst einen halben Tag nach dem
Schlupf herausgefangen werden. Phelsuma grandis ist aber sehr robust und
so überlebte dieses Jungtier die Attacke. Der zweite Schlüpfling hatte mehr
Glück, wurde von den Eltern nicht entdeckt und blieb unversehrt.
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Gelege im Freiland (Masoala-NP
im Nordosten Madagaskars)

Dieses Jungtier wurde vom Vater
attackiert. |
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Freiläufer:
Seit einiger Zeit habe ich zwei Freiläufer in meinem einen Terrarienzimmer.
Es handelt sich ziemlich sicher um zwei Weibchen. Die Tiere sind im April 2008
bei mir geschlüpft und wurden im Alter von etwa 3 Monaten frei gelassen. Seither
haben sie sich in dem Zimmer gut eingelebt und jedes Tier hat sich inzwischen
seine Lieblingsplätze gesichert. Das Raumklima ist mit 26-28°C und 60-70% rLF
für Phelsuma grandis nahezu optimal. Mit ein paar Bambusstangen habe ich
dafür gesorgt, dass sich die beiden Tiere unter den bereits vorhandenen Lampen (HCI
und UV-Spot) sonnen können. Ein Wasserschälchen an einem der Bambusrohre sorgt
für genügend Trinkwasser.
Anfänglich hatte ich schon ein paar Bedenken, dass ein Blauzungenskink, die in
einem offenen Bodenterrarium in dem Zimmer leben, mal einen Gecko erwischen
könnte. Inzwischen bin ich mir aber ziemlich sicher, dass sich die Geckos gar
nicht so weit runter getrauen, dass ein Skink überhaupt eine Chance bekommen
würde. Die einzige Angst, die ich derzeit noch etwas habe, ist, dass mal eine
der Boas in einem Gecko einen kleinen Snack sieht und mit voller Wucht gegen die
Scheibe knallt. Bisher habe ich aber noch nie beobachten können, dass sich die
Schlangen für die Geckos interessieren.
Gefüttert werden die Geckos mit Heimchen u.ä. (ab Pinzette) und mit Fliegen, die
ich im Zimmer loslasse. Dabei ist absolut erstaunlich, welches Jagdgeschickt die
beiden Grandis dabei entwickeln. Von ca. 20 freigesetzten Fliegen, sind nach
einer Stunde bestenfalls noch 1-2 übrig. Zudem hoffe ich, dass die Geckos auch
an den vielen Zitterspinnen, die sich immer wieder in diesem Zimmer ansiedeln,
gütlich tun.
Das Zimmerfenster habe ich mit einem Fliegengitter gesichert und die Türe ist
tagsüber geschlossen. Nachts ist die Türe zum Flur offen, aber bisher ist erst
einmal ein Gecko auf Wanderschaft gegangen (weil ich am Sonntag zulange gepennt
habe und keiner die Türe am Morgen schloss).
Ich bin mir durchaus bewusst, dass für die Tiere ein höheres Risiko besteht, als
dies in einem Terrarium der Fall sein würde. Auch entspricht der Lebensraum
nicht dem natürlichen Biotop der Tiere. Da Phelsuma grandis in Madagaskar
als Kulturfolger gilt und auch öfter in Häusern anzutreffen ist, finde ich diese
Haltungsweise, vorausgesetzt das Klima stimmt, durchaus vertretbar. Den Tieren
scheint es bisher auf jeden Fall zu gefallen. Der einzige Nachteil, der sich für
den Tierhalter ergibt, sind die vielen Fliegen, die in verdauter Form überall
hinterlassen werden. |

Das Reich der beiden Freiläufer

Ausgerechnet eine Steckerleiste als Lieblingsplatz.
Ob's "chrüselet" am Bauch?
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Interessantes Erlebnis:
Am 8.3.2008 hatte ich ein interessantes und auch etwas schmerzhaftes
Erlebnis mit meinem Grandismännchen. Normalerweise ist er recht zutraulich und
frisst problemlos aus der Hand. Im Gegensatz zum Weibchen, das vor allem nach
der Eiablage ziemlich aggressiv ist, ist er normalerweise ziemlich gelassen, ein
cooler Macho halt.
An diesem Samstag war aber alles anders. Schon vor der Fütterung machte er einen
nervösen Eindruck und den Früchtebrei lutschte er auch nur widerwillig von
meinem Finger. Als ich dann auch dem Weibchen noch etwas Brei anbot, sauste er
wieder einmal aus dem Terrarium. Das tut er auch öfter und normalerweise lässt
er sich problemlos wieder ins Terrarium scheuchen, nicht aber diesmal. Als ich
ihn, wie immer, mit der Hand wieder Richtung Terrariumöffnung treiben wollte,
machte er einen Satz und schon baumelte er an meinem Finger, den er auch nicht
so schnell wieder losliess. Stattdessen schüttelte er den Finger als wollte er
ihn, wie eine erbeutete Grille, totschlagen. Als er dann, aufgrund meiner
Intervention, wieder losliess, floh er entlang der Zimmerwand. Dort versuchte
ich ihn dann, diesmal mit der anderen Hand, ihn eine Plastikbox zu treiben, was
für einen zweiten Finger ebenfalls schmerzhaft endete. |
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Als das rabiate Tierchen dann endlich wieder im
Terrarium sass, kam die nächste überraschende Beobachtung. Das Tier bekam
innerhalb von Sekunden im Bereich des vorderen Rückens einen dunklen, fast
schwarzen Fleck. Nur die roten Bereiche leuchteten richtiggehend heraus. Auf der
Schwanzwurzel war für eine kurze Zeit noch ein zweiter dunkler Fleck zu sehen.
Dass sich Phelsumen bei Stress dunkel färben können, ist ja an sich nichts
Neues, dass dies aber nur fleckenweise geschieht, konnte ich bisher noch nie
beobachten. Eine halbe Stunde später war alles wieder normal und das Männchen
prahlte wieder in seinem üblichen leuchtenden grün. Nur mein Finger schmerzte
auch zwei Tage später noch, denn trotz der sofortigen Merfen-Behandlung
entzündete sich die Wunde ziemlich stark. Ich konnte mir nie vorstellen, dass
ein Grandis derart zubeissen kann, dass er selbst auf der Handinnenseite, wo die
Haut ja nicht gerade dünn ist, eine blutende Wunde hinterlässt. Naja, jetzt
weiss ich es besser.
Zudem zeigt die ganze Geschichte, dass es offenbar auch bei Reptilien Tage gibt,
an denen sie mit dem falschen Bein aufgestanden sind.
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Literatur:
Der Große Madagaskar-Taggecko, Ingo Kober, Natur und Tier
Verlag, ISBN: 3-937285-05-9
Taggeckos, Die Gattung Phelsuma, Hans-Peter Berghof, Natur und Tier Verlag,
ISBN: 3-937285-45-8
Faszinierende Taggeckos, Gerhard Hallmann,
Jens Krüger, Gerd Trautmann, Natur und Tier Verlag,
Neuauflage erhältlich |
Besten Dank an Dr. R. Hitz für die
Zurverfügungstellungen seiner Erfahrungen bei der Nachzucht von Phelsuma mad.
grandis und der Zeitigung von Phelsumeneiern
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