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Grosser Madagaskar-Taggecko
© by Dieter M. Humbel


Phelsuma laticauda laticauda
Phelsuma klemmeri

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Grosser Madagaskar-Taggecko
(Phelsuma grandis)

(Phelsuma madagascariensis grandis)

( GRAY, 1870 )

Klasse: Kriechtiere - Reptilia
Ordnung: Schuppenkriechtiere - Squamata
Unterordnung: Echsen - Lacertilia
Familie: Geckos - Gekkonidae
 

 

 

 
Das Männchen
Das Männchen
Das Weibchen
..und das Weibchen

Haftlamellen
Haftlamellen

verbreiterte Zehen
verbreiterte Zehen


Vorkommen:
Nord-Madagaskar, unter ca. 200 M.ü.M.
Grösse:
♀ bis 25 cm, ♂ bis ca. 30 cm
Lebenserwartung: bis 20 Jahre
Aktivität:
tagaktiv
Charakter: relativ zutraulich
Klima: Tag ca.26 - 30°C/60 - 70% rel.F. - Nacht ca. 20°C/80% rel.F.
Nahrung: Grillen, Heuschrecken, Fliegen, Fruchtbrei
Fortpflanzung: Saisonbedingt legen alle 23 - 25 Tage 2 verklebte Eier, Ei-Freileger
Inkubation: 60 - 65 Tage bei 25 - 26 °C (vorwiegend weibliche Jungtiere)
 

     
     
Geschlechtsbestimmung
     

Männchen

Weibchen

Jungtier 5 Monate (def. Weibchen)
     
     
Meine Nachzuchten 2006 (Anfang Oktober)
     
Jungtier 2006
Eine Woche alt
Jungtier 2006
Eine Woche alt

Jungtier 2006
Eine Woche alt

Jungtier 2006
Eine Woche alt
Jungtier 2006
Eine Woche alt

Mit 6 Wochen gibt's grössere Happen
Mit 6 Wochen gibt's grössere Happen

6 Wochen, schon tüchtig gewachsen
6 Wochen, schon tüchtig gewachsen
Schleckmaul (gut 3 Monate alt)
Schleckmaul (gut 3 Monate alt)

etwa 5 Monate alt
etwa 5 Monate alt

     
     
Meine Nachzuchten 2007 (Mitte Februar)
     
frisch geschlüpft
frisch geschlüpft
ein paar Stunden alt
ein paar Stunden alt

schon neugierig unterwegs
schon neugierig unterwegs

    .
 

Phelsuma grandis ist eine der grössten Phelsumenarten, was ja ihr Artname schon verdeutlicht. Daneben gibt es noch die Schwesterarten Phelsuma madagascariensis, und Phelsuma kochi, welche aber alle kleiner bleiben als Grandis. Der Grosse Madagaskar-Taggecko ist eine robuste und kräftige Echse, die sich gut für die Terrariumhaltung eignet und auch Reptilienanfängern durchaus empfohlen werden kann. Männchen werden 25 - 30 cm lang, Weibchen bleiben ein paar cm kleiner. Die Grundfärbung der Tiere ist ein sattes Gras- bis Hellgrün, welches mit dunkelroten Flecken auf dem Rücken gespickt ist. Eine rote Linie vom Nasenloch bis zum Auge, sowie eine V-förmige rote Zeichnung auf der Stirn charakterisiert diese Art. Phelsuma  grandis sollte einzeln oder pärchenweise gepflegt werden. Adulte Männchen oder Weibchen sind untereinander unverträglich.
Wie viele Geckos besitzt auch diese Art verbreiterte Zehen mit Haftlamellen, die es den Tieren erlauben, sich an sehr glatten Oberflächen (z.B. Glasflächen) problemlos festzuhalten.

Wieso kann ein Gecko über Glasscheiben laufen ?

RAXWORTHY et al. (2007) haben Phelsuma madagascariensis grandis in den Artstatus gehoben, somit heisst die Art nun Phelsuma grandis. Auch Phelsuma madagascariensis madagascariensis und Phelsuma mad. kochi wurde der Artstatus zugesprochen, also Phelsuma madagascariensis und Phelsuma kochi. Phelsuma madagascariensis boehmei wird als Synonym von Phelsuma madagascariensis angeschaut und wurde somit gestrichen, da die Unterscheidung anhand der dunklen Zwischenschuppenhaut als nicht gesichert gilt. Die neue Taxonomie ist umstritten.
HALLMANN et al. (2008) und ROCHA et al. (2008, 2010) anerkennen die Rückführung von Phelsuma madagascariensis boehmei  zu Phelsuma madagascariensis nicht, da sie sich nicht nur phänotypisch, sondern auch genetisch deutlich von der Nominatform unterscheidet.

Verbreitung / Lebensraum
Der Grosse Madagaskar-Taggecko ist endemisch auf Madagaskar (inkl. Nosy Bé) und bewohnt dort die Regenwälder im Norden des Landes. Im Bereich der Masoala-Halbinsel in Nordosten überlappt sich das Verbreitungsgebiet mit demjenigen von Phelsuma madagascariensis Er gilt als Kulturfolger und ist auch in menschlichen Siedlungen zu finden. Wie ihr Trivialname schon sagt, sind die Echsen tagaktiv.


Lebensraum in Maroantsetra

Lebensraum um Maroantsetra

Ernährung:
Phelsuma grandis ist omnivor. Die Tiere fressen vorwiegend Insekten und süsse Früchte . Im Terrarium können sie gut mit Grillen, Heuschrecken und Fliegen gefüttert werden. Gelegentlich können auch Zophobas gereicht werden. Phelsumen im Terrarium neigen zur Verfettung und dürfen deshalb nur sparsam gefüttert werden. Zusätzlich wird ein zuckerloser Früchtebrei (meine Mischung: Banane, Honig, Herpetal und geriebene Sepiaschale) gereicht. Eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen (z.B. Korvimin ZVT, Herpetal Complete T oder Reptivite) und Kalzium (Sepiaschale) muss gewährleistet sein. 
 

Terrarium:
Phelsumen sind gute Kletterer. Sie brauchen ein hohes, gut bepflanztes Terrarium, nach Möglichkeit aus Glas, denn Phelsumen lieben Glasflächen. Die Temperatur sollte bei 26 – 30 °C, nachts bei ca. 20 °C liegen, die Luftfeuchtigkeit bei etwa 60 - 70 bzw. 80 - 90 % liegen. Mein Terrarium ist mit Vanille, Sansivarien und einer Tilandsie bepflanzt. Ausserdem ist es mit etlichen dicken Bambusröhren bestückt, welche vertikal, aber auch horizontal angebracht sind. Phelsumen sind Sonnenanbeter, daher brauchen sie eine gute Terrariumbeleuchtung. Ich setze bei mir zwei T5-Biolichtröhre mit 5900 Kelvin, eine Bright Sun Desert 70W, die schon einige Monate in Betrieb war, als UV-Versorgung und einen Halogenspot als zusätzlichen Wärmeplatz ein. Alle Lampen sind über dem Terrarium angebracht (über der Drahtgaze).

Fortpflanzung:
Wenn die Tiere der Jahresrhythmik ihrer Herkunft gehalten werden, legt  das Phelsuma grandis-Weibchen saisonbedingt alle paar Wochen ein Doppelei in die Blattachsel einer Pflanze oder ins offene Ende einer Bambusröhre (Ei-Freileger). Eine Jahreszeitrhythmik drängt sich auf, um dem Muttertier Erholungzeiten zu ermöglichen.
Die Eier haben eine Grösse von 14x16 bis 15x17 mm und werden bei etwa 25 - 32 °C im Terrarium oder im Inkubator gezeitigt und nach etwa 50 - 65 Tagen schlüpfen die Jungtiere. Phelsuma grandis zeigt eine thermosensitive Gonadendifferenzierung, d.h. dass das Geschlecht der Jungtiere von der Inkubationstemperatur abhängig ist. Bei einer Bebrütungstemperatur von 22-26 °C schlüpfen ausschliesslich Weibchen, bei 28-32 °C nur Männchen. 26-28 °C ergibt gemischte Geschlechter der Jungtiere. Eine Nachtabsenkung um ein paar Grad fördert die Gesundheit der Jungtiere und soll zu einem ausgeglichenerem Geschlechterverhältnis führen .

Aufzucht:
Die Jungtiere können anfänglich in Gruppen aufgezogen werden, werden aber schnell mal streitsüchtig (bei meinen NZ war das schon nach ein paar Tagen der Fall) und müssen getrennt gehalten werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Jungtiere eher zusammengehalten werden können, wenn sie in einem kleinen Aufzuchtbecken untergebracht sind. Bei einem (zu) grossen Aufzuchtterrarium können die Tiere schon früh Reviere bilden und diese entsprechend verteidigen. In einem kleinen Becken ist die Revierbildung nicht möglich und die Tiere vertragen sich. Diesen Umstand sollte man sich natürlich nur während der ersten Zeit der Aufzucht zu nutze machen. Keinesfalls darf daraus eine dauerhafte Haltungsmethode entstehen, um Streitigkeit zum Vornherein zu verhindern. Mit etwa einem Jahr wird die Geschlechtsreife erreicht.
Jungtiere dürfen auf keinen Fall im Terrarium der Eltern aufgezogen werden. Das gilt im Übrigen für alle Phelsumenarten (ausser Phelsuma klemmeri). Die Elterntiere erkennen die Jungtiere nicht als eigenen Nachwuchs und attackieren sie auf Gröbste. Das nebenstehende Bild zeigt, wie ein Jungtier aussieht, nachdem es seinem Vater begegnet ist. Das Junge ist aus einem Gelege geschlüpft, das im Terrarium übersehen wurde und konnte erst einen halben Tag nach dem Schlupf herausgefangen werden. Phelsuma grandis ist aber sehr robust und so überlebte dieses Jungtier die Attacke. Der zweite Schlüpfling hatte mehr Glück, wurde von den Eltern nicht entdeckt und blieb unversehrt.
 


Gelege im Freiland (Masoala-NP
 im Nordosten Madagaskars)

 

 


Dieses Jungtier wurde vom Vater
attackiert.

Freiläufer:
Seit einiger Zeit habe ich zwei Freiläufer in meinem einen Terrarienzimmer. Es handelt sich ziemlich sicher um zwei Weibchen. Die Tiere sind im April 2008 bei mir geschlüpft und wurden im Alter von etwa 3 Monaten frei gelassen. Seither haben sie sich in dem Zimmer gut eingelebt und jedes Tier hat sich inzwischen seine Lieblingsplätze gesichert. Das Raumklima ist mit 26-28°C und 60-70% rLF für Phelsuma grandis nahezu optimal. Mit ein paar Bambusstangen habe ich dafür gesorgt, dass sich die beiden Tiere unter den bereits vorhandenen Lampen (HCI und UV-Spot) sonnen können. Ein Wasserschälchen an einem der Bambusrohre sorgt für genügend Trinkwasser.

Anfänglich hatte ich schon ein paar Bedenken, dass ein Blauzungenskink, die in einem offenen Bodenterrarium in dem Zimmer leben, mal einen Gecko erwischen könnte. Inzwischen bin ich mir aber ziemlich sicher, dass sich die Geckos gar nicht so weit runter getrauen, dass ein Skink überhaupt eine Chance bekommen würde. Die einzige Angst, die ich derzeit noch etwas habe, ist, dass mal eine der Boas in einem Gecko einen kleinen Snack sieht und mit voller Wucht gegen die Scheibe knallt. Bisher habe ich aber noch nie beobachten können, dass sich die Schlangen für die Geckos interessieren.

Gefüttert werden die Geckos mit Heimchen u.ä. (ab Pinzette) und mit Fliegen, die ich im Zimmer loslasse. Dabei ist absolut erstaunlich, welches Jagdgeschickt die beiden Grandis dabei entwickeln. Von ca. 20 freigesetzten Fliegen, sind nach einer Stunde bestenfalls noch 1-2 übrig. Zudem hoffe ich, dass die Geckos auch an den vielen Zitterspinnen, die sich immer wieder in diesem Zimmer ansiedeln, gütlich tun.
Das Zimmerfenster habe ich mit einem Fliegengitter gesichert und die Türe ist tagsüber geschlossen. Nachts ist die Türe zum Flur offen, aber bisher ist erst einmal ein Gecko auf Wanderschaft gegangen (weil ich am Sonntag zulange gepennt habe und keiner die Türe am Morgen schloss).

Ich bin mir durchaus bewusst, dass für die Tiere ein höheres Risiko besteht, als dies in einem Terrarium der Fall sein würde. Auch entspricht der Lebensraum nicht dem natürlichen Biotop der Tiere. Da Phelsuma grandis in Madagaskar als Kulturfolger gilt und auch öfter in Häusern anzutreffen ist, finde ich diese Haltungsweise, vorausgesetzt das Klima stimmt, durchaus vertretbar. Den Tieren scheint es bisher auf jeden Fall zu gefallen. Der einzige Nachteil, der sich für den Tierhalter ergibt, sind die vielen Fliegen, die in verdauter Form überall hinterlassen werden.


Das Reich der beiden Freiläufer


Ausgerechnet eine Steckerleiste als Lieblingsplatz. Ob's "chrüselet" am Bauch?
 

Interessantes Erlebnis:
Am 8.3.2008 hatte ich ein interessantes und auch etwas schmerzhaftes Erlebnis mit meinem Grandismännchen. Normalerweise ist er recht zutraulich und frisst problemlos aus der Hand. Im Gegensatz zum Weibchen, das vor allem nach der Eiablage ziemlich aggressiv ist, ist er normalerweise ziemlich gelassen, ein cooler Macho halt.
An diesem Samstag war aber alles anders. Schon vor der Fütterung machte er einen nervösen Eindruck und den Früchtebrei lutschte er auch nur widerwillig von meinem Finger. Als ich dann auch dem Weibchen noch etwas Brei anbot, sauste er wieder einmal aus dem Terrarium. Das tut er auch öfter und normalerweise lässt er sich problemlos wieder ins Terrarium scheuchen, nicht aber diesmal. Als ich ihn, wie immer, mit der Hand wieder Richtung Terrariumöffnung treiben wollte, machte er einen Satz und schon baumelte er an meinem Finger, den er auch nicht so schnell wieder losliess. Stattdessen schüttelte er den Finger als wollte er ihn, wie eine erbeutete Grille, totschlagen. Als er dann, aufgrund meiner Intervention, wieder losliess, floh er entlang der Zimmerwand. Dort versuchte ich ihn dann, diesmal mit der anderen Hand, ihn eine Plastikbox zu treiben, was für einen zweiten Finger ebenfalls schmerzhaft endete.

Als das rabiate Tierchen dann endlich wieder im Terrarium sass, kam die nächste überraschende Beobachtung. Das Tier bekam innerhalb von Sekunden im Bereich des vorderen Rückens einen dunklen, fast schwarzen Fleck. Nur die roten Bereiche leuchteten richtiggehend heraus. Auf der Schwanzwurzel war für eine kurze Zeit noch ein zweiter dunkler Fleck zu sehen. Dass sich Phelsumen bei Stress dunkel färben können, ist ja an sich nichts Neues, dass dies aber nur fleckenweise geschieht, konnte ich bisher noch nie beobachten. Eine halbe Stunde später war alles wieder normal und das Männchen prahlte wieder in seinem üblichen leuchtenden grün. Nur mein Finger schmerzte auch zwei Tage später noch, denn trotz der sofortigen Merfen-Behandlung entzündete sich die Wunde ziemlich stark. Ich konnte mir nie vorstellen, dass ein Grandis derart zubeissen kann, dass er selbst auf der Handinnenseite, wo die Haut ja nicht gerade dünn ist, eine blutende Wunde hinterlässt. Naja, jetzt weiss ich es besser.
Zudem zeigt die ganze Geschichte, dass es offenbar auch bei Reptilien Tage gibt, an denen sie mit dem falschen Bein aufgestanden sind.
 

Literatur:
Der Große Madagaskar-Taggecko, Ingo Kober, Natur und Tie
r Verlag, ISBN: 3-937285-05-9
Taggeckos, Die Gattung Phelsuma, Hans-Peter Berghof, Natur und Tier Verlag, ISBN: 3-937285-45-8
Faszinierende Taggeckos, Gerhard Hallmann, Jens Krüger, Gerd Trautmann, Natur und Tier Verlag, Neuauflage erhältlich

 

Besten Dank an Dr. R. Hitz für die Zurverfügungstellungen seiner Erfahrungen bei der Nachzucht von Phelsuma mad. grandis und der Zeitigung von Phelsumeneiern
 

Phelsuma madagascariensis - Unterarten (nach alter Taxonomie)

alte Taxonomie

neue Taxonomie (HALLMANN (2008)    

Phelsuma mad. madagascariensis

Phelsuma mad. madagascariensis GRAY, 1831 Ostmadagaskar, südlich Masoala

Phelsuma mad. grandis

Phelsuma grandis GRAY, 1870 Nordmadagaskar bis Masoala

Phelsuma mad. boehmei

Phelsuma mad. boehmei MEIER, 1982 Ostmadagaskar um Andasibe

Phelsuma mad. kochi

Phelsuma kochi MERTENS, 1954 Nordwest-Madagaskar
 
Weitergehende Infos: http://www.ig-phelsuma.de
Forum: http://www.ig-phelsuma.de/board/index.php
     
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