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Chinesische Rotbauchunke
© by Dieter M. Humbel


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Chinesische Rotbauchunke (Bombina orientalis)

( BOULENGER, 1890 )

Klasse: Lurche - Amphibia
Ordnung: Froschlurche - Anura
Familie: Unkenartige - Bombinatoridae
Familie alt: Scheibenzüngler - Discoglossidae

 

Chinesische Rotbauchunke
 
Chinesische Rotbauchunke
 
Chinesische Rotbauchunke
 
Chinesische Rotbauchunke
 

Unkentanz

 

 

 

 


Verbreitung: China, Nordkorea, Japan
Grösse: ca. 4 - 6 cm
Lebenserwartung: ca. 10 Jahre
Aktivität:
tag-, dämmerungsaktiv
Charakter: lebhaft, etwas "dumm"
Klima: Tag ca.26°C/60% rel.F. / Nacht ca. 20°C/90% rel.F.
Nahrung: kleine Grillen, kleine Heimchen, Fliegen, Maden, Würmer
 

     
   
  Nachzucht 2007 (März / April)  
     
Kaulquappe (ca. 10 Tage alt)
Kaulquappe (ca. 10 Tage alt)
"Quappensalat"
"Quappensalat"

... und schon an Land
... und schon an Land

Metamorphose
Metamorphose (ca. 22 Tage)
2 Wochen nach Metamorphose
2 Wochen nach Metamorphose

sieht schon nach Unke aus
sieht schon nach Unke aus

ca. 2 Monate alt
ca. 2 Monate alt
erste grünliche Stellen
erste grünliche Stellen


 

     
     
     

Die Chinesische Rotbauchunke (Bombina orientalis) ist eine nahe Verwandte unserer einheimischen Gelbbauch- und Rotbauchunken (Bombina variegata und Bombina bombina). Sie gehört innerhalb der Froschlurche (Anura) zur Familie der Unkenartigen (Bombinatoridae), früher gehörten sie zur Familie der  Scheibenzüngler (Discoglossidae). Die Unken werden 4-6 cm gross und bis zu 10 Jahre alt. Ihren roten Bauch verlieren sie im Terrarium etwas, da ihnen offensichtlich in der Terrariumnahrung der notwendige rote Farbstoff fehlt (Bachflohkrebse, Wasserflöhe). Als Ersatzfarbstoff können Futtertiere mit dem Farbstoff Canthaxantin (z.B. in Aufzuchtpräparaten für Ziervögel) bestäubt werden. Ich habe dies bei meinen Tieren ausprobiert und das Ergebnis lässt sich zeigen . Allerdings muss ich in diesem Zusammenhang auf meinen untenstehenden Hinweis verweisen, der Canthaxantin als doch nicht ganz unproblematischen Stoff erscheinen lässt.
Aktiv sind meine Tiere eigentlich Tag und Nacht, mal mehr und mal weniger. Vor allem in den Abendstunden wird häufig lautstark um die Wette gerufen, wobei das „uhh – uhh“ natürlich nie mit dem „ohrenbetäubenden“ Gequake von Laubfröschen verglichen werden kann. Störend wirkt es auf jeden Fall nie, ganz im Gegenteil, auf mich wirkt ihr Rufen sehr entspannend.
Nebst der grünen Variante treten auch immer wieder braune Tiere auf (von meinen 6 adulten Tieren sind auch zwei Exemplare braun). Auch Albinos, so genannte "Goldunken" sollen regelmässig auftreten, wobei ich bis jetzt noch nie ein solches Tier gehabt habe.

Ernährung:
Unken sind carnivor. Die Tiere fressen vorwiegend kleine Würmer und Insekten. Dabei sind sie nicht sehr wählerisch. Es wird so ziemlich alles angesprungen, was sich bewegt, da machen auch die Finger des Pflegers keine Ausnahme. Interessant finde ich, dass die Tierchen, obschon sie sicher nicht zu den Hellsten gehören, zur Fütterungszeit immer alle schön versammelt hinter der Terrariumscheibe stehen. Die eigentliche Fütterung artet meistens in eine Massenprügelei aus, jeder gegen jeden. Dazu wird dem Futterneid lautstark Ausdruck verliehen. Ich füttere vor allem mittlere Heimchen, Dendrowürmer, Fliegen und deren Larven. Gelegentlich gibt es auch eine Ladung Drosophilas, die mit Herpetal Amphib oder mit einem Canthaxantin-Pulver bestäubt sind.

Hinweis zu Canthaxantin: Canthaxantin ist ein roter Farbstoff, der in der Natur sehr häufig vorkommt, aber auch künstlich hergestellt wird. Er wird in der Tierhaltung vor allem bei Ziervögeln eingesetzt, um den Vögeln zu einem leuchtend roten Gefieder zu verhelfen. Ich habe, nach mehreren Abklärungen, den Stoff in Form von "Quikon Canthaxantin" in kleiner Dosierung etwa ein Jahr lang an meine Unken verfüttert. Der gewünschte Effekt trat relativ schnell auf und die Tiere bekamen einen wunderschön roten Bauch. Auf der anderen Seite bekam eine der Unken einige Zeit später ein trübes Auge, das sich mit antibiotischer Augensalbe nicht behandeln liess. Im Gegenteil, ein paar Wochen später wurde auch das zweite Auge trüb. Erst jetzt fiel mir ein, dass ich mal was über Augenschäden beim Menschen im Zusammenhang mit Canthaxantin gelesen habe. Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Canthaxantin und der Augentrübung besteht, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber er ist nicht auszuschliessen. Entsprechend werde ich die Canthaxantin-Gabe bei meinen Tieren in Zukunft unterlassen, obschon die anderen 5 Unken keine Symptome zeigen.


Augenschaden durch Canthaxantin ?

 

 

Terrarium:
Das Terrarium von Rotbauchunken sollte auf jeden Fall einen grossen Wasserteil umfassen, da sich die Tiere meist dort aufhalten. Ein paar Inselchen und eine dichte Bepflanzung macht es den Unken möglich, sich halb im Wasser, halb an Land aufzuhalten. Da ich meine Unken zusammen mit Phelsumen halte (Vergesellschaftungkritikern wird es jetzt die Nackenhaare sträuben), werden die Tiere eher etwas zu warm gehalten, was sie aber gut verkraften. Lediglich die Fortpflanzungsbereitschaft leidet etwas darunter. Ein reines Bombina-Terrarium würde ich mit einem 2/3-Wasserteil ausstatten, bei mir ist es die Hälfte, wobei das Terrarium mit einer Grundfläche von 100 x 50 für vier Tiere eher grosszügig bemessen ist. 

Verhalten:
Rotbauchunken sind sehr dankbare Tiere. Es ist immer was los und gelegentlich werden richtiggehende Orgien gefeiert. Sie sind auch ausgesprochen neugierig. Wenn die Terrariumtüre geöffnet wird, kommen sie, vermutlich vom Hunger getrieben, sofort schauen, was da los ist.


 


Wie alle Amphibien häuten sich auch Rotbauchunken. Dies geht allerdings sehr schnell vonstatten, so dass wir das in der Regel gar nicht bemerken. Einmal hatte ich aber das Glück, gerade zum richtigen Zeitpunkt ins Terrarium zu schauen. Aufgrund der etwas veralgten Scheibe ist das Bild zwar nicht gerade der Hammer, aber es lässt sich auf jeden Fall erkennen, was da gerade abläuft. 30 Sekunden später war alles vorbei und die Unke ging wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach.

Winterruhe:
Die Tiere kommen aus Breitengraden, in denen sie eine längere Winterruhe einlegen. Um die Fortpflanzung zu gewährleisten sollte diese auch Terrariumtieren ermöglicht werden. Die Literatur spricht von einer Ruhezeit von 4-5 Monaten bei 4-5 °C, daher erfolgt diese am besten im Kühlschrank. Ich habe aber meine Unken noch nie in eine Winterruhe geschickt. Trotzdem erfreuen sie sich seit Jahren bester Gesundheit und haben mir auch einmal etwa 200 Quappen beschert. Eine Fortpflanzung ohne Winterruhe ist aber nicht gesichert.
 


Häutung

Fortpflanzung:
Die Paarungsphase läuft hektisch, rabiat und mitunter auch laut (natürlich kein Vergleich zu Laubfröschen) ab. Das Weibchen befestigt seinen Laich grüppchenweise an Pflanzen oder ähnlichem. Je nach Wassertemperatur schlüpfen die Kaulquappen schon nach einigen Tagen. Die Kaulquappen sollten aus dem Terrarium der Elterntiere entfernt und am besten in ein Aquarium mit ein paar cm Wasser überführt werden. Die Fütterung der Quappen erfolgt mit gekochtem Blattsalat, getrockneten Brennesselblättern und vegetarischem Zierfischfutter. Das Wasser sollte alle 2-3 Tage gewechselt werden. Schon nach etwa einer Woche wachsen den Kaulquappen zuerst die Hinter-, dann die Vorderbeine. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um den Jungunken einen Landteil zur Verfügung zu stellen. Während der Metamorphose fressen die Tiere nichts und zehren vom Resorbieren ihres Schwanzes. Anschliessend werden die kleinen Unken mit Drosophilas und anderen kleinen Futtertieren gefüttert. Ein schwimmendes Inselchen in Form eines Rindenstücks hat sich für die Fütterung sehr bewährt, da die Futtertiere von dort aus nicht einfach abhauen können.
Es ist übrigens anzuraten, das Becken des Nachwuchses mit einem ausbruchsicheren Deckel zu versehen, denn glatte Glaswände stellen für die kleinen Unken kein Hindernis dar (für adulte Tiere übrigens auch nicht). Frühestens nach einem, spätestens nach zwei Jahren sind die Unken geschlechtsreif.


Senkrechte Glasscheiben sind kein Hindernis

 

     

Weitere Unkenarten:

Bombina bombina

LINNAEUS, 1761 Europ. Rotbauchunke

Ost-Europa

Bombina variegata variegata

LINNAEUS, 1758 Gelbbauchunke

Zentral- und Südeuropa

Bombina variegata scabra

KUESTER, 1843 Griechische Gelbbauchunke Griechenland

Bombina variegata kolombatovici

BEDRIAGA, 1891   Kroatien, Bosnien

Bombina pachypus

BONAPARTE, 1838 Kurzfussunke Italien, südlich Po

Bombina maxima

BOULENGER, 1905 Chin. Riesenunke

Asien, Provinz Sichuan u. Yunnan

Bombina lichuanensis

YE & FEI, 1994 Lichuan-Rotbauchunke

China, Provinz Sichuan u. Hubei

Bombina microdeladigitora

Liu, HU & YANG, 1960 Hubei-Rotbauchunke

Asien, Provinz Yunnan u. Hubei / Vietnam

Bombina fortinuptialis

TIAN & WU, 1978 Guangxi-Rotbauchunke

China, Guangxi

   
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