Home

Südliche Madagaskarboa
© by Dieter M. Humbel


Klicke auf ein Bild, um es zu vergrössern !

Südliche Madagaskarboa (Acrantophis dumerili)
( Synonym: Boa dumerili )

( JAN, 1860 )

Klasse: Kriechtiere - Reptilia
Ordnung: Schuppenkriechtiere - Squamata
Unterordnung: Schlangen  - Ophidia (Serpentes)
Familie: Riesenschlangen - Boidae

 

Pärchen
Pärchen
Madagaskarboa
Weibchen
Madagaskarboa
Weibchen
Männchen
Männchen
Weibchen frisst Maus
Weibchen frisst Maus
Guten Appetit
Guten Appetit
Weibchen
Weibchen
Weibchen
Weibchen
Weibchen
Weibchen
Weibchen
Weibchen

 

 

 

 
 
     

Meine Nachzucht 2011 (Anfang Juli)

     
 Jungtier (1 Woche)
 Jungtier (1 Woche)
 Jungtier (1 Woche)
  Jungtier (1 Woche)
 Jungtier (1 Woche)
  Jungtier (1 Woche)
     
     
  Verbreitung: halbfeuchte Wälder im südlichen Madagaskar (Bodenbewohner)
Grösse: bis ca. 2 Meter (Weibchen sehr kräftig)
Aktivität: dämmerungs- und nachtaktiv
Charakter: friedlich, neugierig, nicht aggressiv (kann aber auch mal zubeissen)
Klima: Tag ca.28-30°C/60% rel.F. - Nacht ca. 22-24°C/70% rel.F.
Nahrung: kleine Säuger und Vögel (hauptsächlich Mäuse und Ratten)
Fortpflanzung: lebend gebärend, Tragzeit über 200 Tage, bis 20 Junge
   
   

Die Südliche Madagaskarboa (Acrantophis dumerili) kommt, wie ihr Name schon sagt, aus dem südlichen und zentralen Teil Madagaskars und von der Insel Reunion und gehört zu den Riesenschlangen (Boidae). Sie ist eine der drei dort vorkommenden Boaarten, neben Accrantophis madagascariensis (nördliche Madagaskarboa) und Sanzinia madagascariensis (Madagaskar-Hundskopfboa). Wie die Tiere ursprünglich nach Madagaskar kamen ist nicht ganz klar, denn Boas kommen eigentlich auf dem amerikanischen Kontinent vor. Auf dem afrikanischen Festland gibt es weder rezente Boaarten, noch wurden Fossilien gefunden, die auf eine frühere Besiedlung schliessen lassen würden. Acrantophis dumerili wird etwa 2 Meter lang, wobei das Weibchen grösser und vor allem deutlich massiger ist als das Männchen. Madagaskarboas sind dämmerungs- und nachtaktiv. Obschon sie eigentlich als ruhig und ausgeglichen gelten, kommt es schon gelegentlich vor, dass eins meiner Tiere mal kräftig zupackt. Vor allem bei der Fütterung ist Vorsicht geboten. Acrantophis dumerili ist im WA 1/Anhang A aufgeführt.

Ernährung:
Wie alle Schlangen ernähren sich Madagaskarboas ausschliesslich carnivor. Sie fressen vorwiegend kleine Säuger und Vögel, aber auch andere Reptilien und Amphibien werden nicht verschmäht. Im Terrarium bekommen meine Tiere ausschliesslich frisch getötete Vielzitzenmäuse aus eigener Zucht. Ich füttere etwa alle 3 Wochen 2-3 ausgewachsene Mäuse. 

Wieso können Schlangen ihr Maul so weit aufsperren?

Terrarium:
Da die Tiere doch ordentliche Masse erreichen, brauchen sie ein grosses Terrarium. Meines hat die Masse 220 x 70/100 x 100 und ist mit Kletter- und Unterschlupfmöglichkeiten, sowie einem 20-Liter-Wasserbecken eingerichtet. Die Schlangen machen davon auch regen Gebrauch. Die Technik ist nicht sehr anspruchsvoll. Die Beleuchtung beschränkt sich auf einen Doppelbalken mit T8-Röhren (wobei eine UV-Röhre für die Pflanzen), einem 80W-PAR38-Spot und einen 60-Elstein-Keramikstrahler, um die Nachttemperatur im Winter etwas zu erhöhen. Selbstverständlich müssen in einem Schlangenterrarium alle Heizelemente gut mit einem Drahtgeflecht geschützt sein, damit sich die Tiere nicht verbrennen können. Unter dem Wasserbecken liegt eine Heizmatte, die die Wassertemperatur auf eine geeignete Temperatur erhöht. Ein kleiner Wasserfall sorgt für eine zusätzliche Erhöhung der Luftfeuchtigkeit. Diese beträgt tagsüber etwa 60 – 70 %, nachts etwa 80 %. Die Temperaturen reichen von 23-24 °C nachts bis etwa 30 °C am Tag. Zur Bepflanzung hat sich bei mir Epipremnum sp. (Efeutute) bewährt, obschon auch diese unter dem Gewicht der Schlangen etwas leidet. Alle anderen Pflanzen wurden innerhalb kürzester Zeit ruiniert.

Fortpflanzung und Geschlecht:
Wie alle Boas sind auch Madagaskarboas lebend gebärend. Nach einer Tragzeit von gut 200 Tagen wirft das Muttertier bis zu 20 Jungtiere. Diese müssen von den Eltern getrennt werden, da sich diese sonst an ihnen vergreifen. Die Geschlechtsbestimmung erfolgt mittels Sondierung, wobei diese von einem erfahrenen Schlangenhalter oder einem schlangenkundigen Tierarzt vorgenommen werden muss.
Jungtiere neigen zu Kannibalismus und sollten daher einzeln aufgezogen werden. Mit etwa 5 - 6 Jahren sind sie geschlechtsreif.

   

Ende Dezember 2007 beobachtete ich  zum ersten Mal eine Paarung. Am 6.1.2008 konnte ich bei einer zweiten Kopulation zuschauen. Diese zog sich über Stunden dahin. Die Tiere lagen während dieser Zeit völlig ruhig und eng zusammengeschmiegt im Terrarium. Interessanterweise fanden beide Paarung am späteren Nachmittag und nicht, wie bei nachtaktiven Tieren anzunehmen wäre, während den Abendstunden statt. In den folgenden Tagen und Wochen waren fast täglich weitere Kopulationen zu beobachten. Erst Ende Februar liess die Paarungsbereitschaft wieder nach und die beiden Tiere gingen wieder vermehrt ihren eigenen Weg.

Während der Frühlingsmonate bis in den Sommer hinein war auffallend, dass sich das Weibchen tagsüber fast immer auf der obersten Plattform im Terrarium aufhielt, was sie bisher eigentlich nie tat. Ganz offensichtlich suchte sie die Wärme im oberen Bereich des Beckens. Erst ab Juli zog es sich wieder vermehrt in ihr angestammtes Versteck unter einer halbierten Korkröhre zurück.

Ende Juli 2008 hat das Weibchen dann einen Haufen "Wachseier" abgelegt. Diese bestanden aus einer gelbbraunen, gallertartigen Masse (Dotter). Offensichtlich hat es mit der Paarung doch nicht geklappt. Den Grund kenne ich leider nicht. Schade!

Im Juli 2011 hat es dann erstmals geklappt, allerdings hat das Weibchen nur gerade 2 Jungtiere geworfen, wobei das Erste (45cm, 86g) leider nicht lebensfähig war und nach 3 Tagen verstarb. Es hatte einen sehr dicken Bauch (Dotter) und war anfänglich extrem aggressiv, biss in alles, was irgendwie in Reichweite kam. Das zweite Jungtier war zwar sehr klein (35cm, 30g), machte aber ansonsten einen sehr fitten Eindruck und hat bereits nach wenigen Tagen 2 Pinkys verdrückt.
Nach gut einem Monat hat die junge Boa mehrmals gefressen und schon deutlich zugelegt. Auch die erste Häutung hat sie bereits hinter sich. Inzwischen lebt sie in einem Aufzuchtterrarium, nachdem ich sie anfänglich in einer Plastikbox auf Zewa hielt.

 

Paarung
Paarung

Wachseier
Wachseier


Jungtier mit übermässig Dotter in Bauchhöhle
 

Überwinterung:
Meine Boas machen keine Winterruhe, lediglich das Temperaturniveau wird etwas abgesenkt, was eigentlich von alleine passiert, da das Tiliquaterrarium im selben Raum im Winter nicht in Betrieb ist und daher die Raumtemperatur deutlich tiefer liegt als im Sommer.

   

Weitere Boa-Arten auf Madagaskar

 

Acrantophis madagascariensis

JAN, 1860

Nördliche Madagaskarboa

Nord-, Nordwestmadagaskar und zentr. Hochland

Sanzinia madagascariensis madagascariensis

DUMERIL & BIBRON, 1844

Östliche Madagaskar-Hundskopfboa

Nordost-Madagaskar

Sanzinia madagascariensis volontany

VENCES & GLAW, 2004

Westliche Madagaskar-Hundskopfboa

Nordwest-Madagaskar

   
Weitergehende Infos: http://www.dumerili-boa.de
   
zum Anfang