|
Die Südliche Madagaskarboa (Acrantophis dumerili)
kommt, wie ihr Name schon sagt, aus dem südlichen und zentralen Teil Madagaskars
und von der Insel Reunion und gehört zu den Riesenschlangen (Boidae). Sie ist
eine der drei dort vorkommenden Boaarten, neben Accrantophis madagascariensis
(nördliche Madagaskarboa) und Sanzinia madagascariensis
(Madagaskar-Hundskopfboa). Wie die Tiere ursprünglich nach Madagaskar kamen ist
nicht ganz klar, denn Boas kommen eigentlich auf dem amerikanischen Kontinent
vor. Auf dem afrikanischen Festland gibt es weder rezente Boaarten, noch wurden
Fossilien gefunden, die auf eine frühere Besiedlung schliessen lassen würden.
Acrantophis dumerili wird etwa 2 Meter lang, wobei das Weibchen grösser und vor
allem deutlich massiger ist als das Männchen. Madagaskarboas sind dämmerungs-
und nachtaktiv. Obschon sie eigentlich als ruhig und ausgeglichen gelten, kommt
es schon gelegentlich vor, dass eins meiner Tiere mal kräftig zupackt. Vor allem
bei der Fütterung ist Vorsicht geboten. Acrantophis dumerili ist im WA 1/Anhang
A aufgeführt.
Ernährung:
Wie alle Schlangen ernähren sich Madagaskarboas ausschliesslich
carnivor.
Sie fressen vorwiegend kleine Säuger und Vögel, aber auch andere Reptilien und
Amphibien werden nicht verschmäht. Im Terrarium bekommen meine Tiere
ausschliesslich frisch getötete
Vielzitzenmäuse aus
eigener Zucht. Ich füttere etwa alle 3 Wochen 2-3 ausgewachsene Mäuse.
►
Wieso können Schlangen ihr
Maul so weit aufsperren?
|
Terrarium:
Da die Tiere doch ordentliche Masse erreichen, brauchen sie ein grosses
Terrarium. Meines hat die Masse 220 x 70/100 x 100 und ist mit Kletter- und
Unterschlupfmöglichkeiten, sowie einem 20-Liter-Wasserbecken eingerichtet. Die
Schlangen machen davon auch regen Gebrauch. Die Technik ist nicht sehr
anspruchsvoll. Die Beleuchtung beschränkt sich auf einen Doppelbalken mit
T8-Röhren (wobei eine UV-Röhre für die Pflanzen), einem 80W-PAR38-Spot und einen
60-Elstein-Keramikstrahler, um die Nachttemperatur im Winter etwas zu erhöhen.
Selbstverständlich müssen in einem Schlangenterrarium alle Heizelemente gut mit
einem
Drahtgeflecht geschützt sein, damit sich die Tiere nicht verbrennen können.
Unter dem Wasserbecken liegt eine Heizmatte, die die Wassertemperatur auf eine
geeignete Temperatur erhöht. Ein kleiner Wasserfall sorgt für eine zusätzliche
Erhöhung der Luftfeuchtigkeit. Diese beträgt tagsüber etwa 60 – 70 %, nachts
etwa 80 %. Die Temperaturen reichen von 23-24 °C nachts bis etwa 30 °C am Tag.
Zur Bepflanzung hat sich bei mir Epipremnum sp. (Efeutute) bewährt, obschon auch
diese unter dem Gewicht der Schlangen etwas leidet. Alle anderen Pflanzen wurden
innerhalb kürzester Zeit ruiniert.
|

|
Fortpflanzung und Geschlecht:
Wie alle Boas sind auch Madagaskarboas lebend gebärend. Nach einer Tragzeit
von gut 200 Tagen wirft das Muttertier bis zu 20 Jungtiere. Diese müssen von den
Eltern getrennt werden, da sich diese sonst an ihnen vergreifen. Die
Geschlechtsbestimmung erfolgt mittels
Sondierung, wobei diese von einem
erfahrenen Schlangenhalter oder einem schlangenkundigen Tierarzt vorgenommen
werden muss.
Jungtiere neigen zu Kannibalismus und sollten daher einzeln aufgezogen werden.
Mit etwa 5 - 6 Jahren sind sie geschlechtsreif.
|
|
|
|
Ende Dezember 2007 beobachtete ich zum
ersten Mal eine Paarung. Am
6.1.2008 konnte ich bei einer zweiten Kopulation zuschauen. Diese zog sich
über Stunden dahin. Die Tiere lagen während dieser Zeit völlig ruhig und eng
zusammengeschmiegt im Terrarium. Interessanterweise fanden beide Paarung am
späteren Nachmittag und nicht, wie bei nachtaktiven Tieren anzunehmen wäre,
während den Abendstunden statt. In den folgenden Tagen und Wochen waren fast
täglich weitere Kopulationen zu beobachten. Erst Ende Februar liess die
Paarungsbereitschaft wieder nach und die beiden Tiere gingen wieder vermehrt
ihren eigenen Weg.
Während der Frühlingsmonate bis in den Sommer
hinein war auffallend, dass sich das Weibchen tagsüber fast immer auf der
obersten Plattform im Terrarium aufhielt, was sie bisher eigentlich nie tat.
Ganz offensichtlich suchte sie die Wärme im oberen Bereich des Beckens. Erst
ab Juli zog es sich wieder vermehrt in ihr angestammtes Versteck unter einer
halbierten Korkröhre zurück.
Ende Juli 2008 hat das Weibchen dann einen
Haufen "Wachseier" abgelegt. Diese bestanden aus einer gelbbraunen,
gallertartigen Masse (Dotter). Offensichtlich hat es mit der Paarung doch
nicht geklappt. Den Grund kenne ich leider nicht. Schade!
Im Juli 2011 hat es dann erstmals geklappt,
allerdings hat das Weibchen nur gerade 2 Jungtiere geworfen, wobei das Erste
(45cm, 86g) leider nicht lebensfähig war und nach 3 Tagen verstarb. Es hatte
einen sehr dicken Bauch (Dotter) und war anfänglich extrem aggressiv, biss
in alles, was irgendwie in Reichweite kam. Das zweite Jungtier war zwar sehr
klein (35cm, 30g), machte aber ansonsten einen sehr fitten Eindruck und hat
bereits nach wenigen Tagen 2 Pinkys verdrückt.
Nach gut einem Monat hat die junge Boa mehrmals gefressen und schon deutlich
zugelegt. Auch die erste Häutung hat sie bereits hinter sich. Inzwischen
lebt sie in einem Aufzuchtterrarium, nachdem ich sie anfänglich in einer
Plastikbox auf Zewa hielt.
|

Paarung

Wachseier

Jungtier mit übermässig Dotter in Bauchhöhle
|
Überwinterung:
Meine Boas machen keine Winterruhe, lediglich das Temperaturniveau wird
etwas abgesenkt, was eigentlich von alleine passiert, da das Tiliquaterrarium im
selben Raum im Winter nicht in Betrieb ist und daher die Raumtemperatur deutlich
tiefer liegt als im Sommer. |