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Ratgeber für Terraristikeinsteiger
© by Dieter M. Humbel


 

Du möchtest auch ein exotisches Reptil oder tropische Amphibien pflegen? Ich gratuliere dir, das ist ein wunderbares Hobby. Bevor du nun aber Hals über Kopf in die nächste Zoohandlung rennst und dir dein Wunschtier aussuchst, solltest du diese Zeilen lesen und dir ein paar Gedanken machen.

  • Reptilien und Amphibien sind Wildtiere, keine domestizierten Haustiere wie Hunde, Katzen, Meerschweinchen usw. Sie eignen sich überhaupt nicht zum Rumschleppen, spielen und Kuscheln.

  • Reptilien und Amphibien gehören in ein artgerecht eingerichtetes Terrarium und nicht auf den Küchenboden oder auf die Polstergruppe im Wohnzimmer. Das Krankheits- oder Unfallrisiko ist dort viel zu gross.

  • Reptilien und Amphibien sind poikilotherme Tiere (wechselwarm) und brauchen daher ziemlich genaue klimatische Bedingungen. Um diese zu gewährleisten ist einiger technischer Aufwand erforderlich, was auch ganz schön ins Geld gehen kann.

  • Viele Reptilien und Amphibien können ein beachtliches Alter erreichen. Bist du gewillt, die Tiere auch über Jahre und Jahrzehnte zu pflegen?

  • Terraristik ist ein teures Hobby. Die Anschaffungskosten der Tiere ist noch das Mindeste. Schwerer fällt da schon ein artgerecht eingerichtetes Terrarium ins Gewicht. Aber auch damit ist’s noch nicht getan. Die laufenden Kosten (Strom, Futter, Ersatzeinrichtung, Tierarzt usw.) übersteigen die Anschaffungskosten schnell um ein Mehrfaches.

  • Reptilien und Amphibien sind nicht jedermanns Sache. Sind die Leute in deinem Umfeld damit einverstanden? Haben auch deine Nachbarn kein Problem damit? Schon mancher Haussegen kam aufgrund der Tierchen ins wanken.

Wenn dir diese Punkte alle bewusst sind und du auch gewillt bist, diese zu respektieren, kannst du dir Gedanken zu deinem Wunschtier machen. Was soll es denn sein? Schlange, Echse, Frosch oder vielleicht doch etwas mit 6 oder 8 Beinen? Diese Entscheidung musst du selber treffen. Folgende Punkte können dir aber vielleicht helfen.

  • Es gibt tag- und nachtaktive Tiere. Wenn du tagsüber immer abwesend bist, eignen sich nachtaktive vielleicht besser.

  • Die Beleuchtung spielt bei nachaktiven Tieren eine kleinere Rolle als bei tagaktiven.

  • Trockenterrarien sind für Anfänger einfacher zu realisieren und zu pflegen, als Feucht- oder Regenwaldterrarien.

  • Der technische Aufwand für Feucht- und Regenwaldterrarien ist bedeutend grösser als bei Trockenterrarien (Befeuchtung, Beregnung).

  • Trockenterrarien haben im Gegenzug einen beträchtlich höheren Energiebedarf.

  • Bei Feucht- und Regenwaldterrarien gibt es dafür eher hygienische Probleme (Schimmelbildung).

Grundsätzlich gilt jedoch:

  • Hast du einen geeigneten Terrariumstandort in deinem Zimmer / deiner Wohnung, ohne direkte Sonneneinstrahlung, ohne Fernseher, ohne laute Musik usw.?

  • Grosse Tiere brauchen viel Platz. Bringst du ein grosses Terrarium in deinem Zimmer / deiner Wohnung unter?

  • An die Beleuchtung werden hohe Anforderungen gestellt (Helligkeit, Tageslicht-Spektrum, UV-Strahlung, Wärme). Da wirst du dich eingehender damit beschäftigen müssen.

  • Grosse Terrarien haben auch einen grossen Energiebedarf. Da kommen schnell 5 - 10 kWh pro Tag zusammen.

  • In kleinen Terrarien ist es schwieriger, die klimatischen Bedingungen stabil zu halten.

Wenn diese Punkte geklärt sind, geht es an die Auswahl der Tierart.

  • Grundsätzlich solltest du mit einer gängigen Tierart beginnen. Diese sind problemlos als Nachzuchten verfügbar und es gibt viel Literatur über deren Haltung.

  • Wildfänge sollte man nach Möglichkeit meiden, als Anfänger sowieso. Es bedarf i.d.R. viel Wissen und Fingerspitzengefühl um sie erfolgreich einzugewöhnen und sie einigermassen parasitenfrei zu bekommen.

  • Von schwierig zu haltenden Arten solltest du dich am Anfang distanzieren.

  • Bist du in der Lage, lebende Futtertiere zuhause zu halten und auch zu verfüttern. Es ist nicht jedermanns Sache, so niedliche kleine Mäuschen einer Schlange zum Frass vorzuwerfen.

  • Empfehlenswerte Tiere sind z.B. Bartagamen (Pogona vitticeps oder Pogona henrylawsoni), Leoparggeckos (Eublepharis macularius) Griechische Landschildkröten (Testudo hermanni, Achtung: diese Tiere werden sehr alt! ), Kornnattern (Pantherophis guttatus), Chinesische Rotbauchunken (Bombina orientalis) u.v.a.m.

Hast du dein Wunschtier gefunden? Ja? Dann geht’s jetzt an die Informationsbeschaffung.

  • Kauf dir ein gutes Buch über die entsprechende Tierart. Es dürfen auch zwei oder drei sein.

  • Such dir im Internet gute Seiten zu dieser Tierart. Pass aber auf, im Internet kann jeder schreiben was er will, da ist noch längst nicht alles korrekt. Dein Buch wird dir helfen, die gefundene Information zu verifizieren.

  • Suche genaue Klimadaten zu deinem Tier, Fotos von dessen natürlichem Lebensraum, Foren mit erfahrenen Haltern.

  • Stelle konkrete Fragen, wenn dir etwas noch nicht klar ist und bleibe cool, wenn du nicht die Antwort bekommst, die du gerne hören würdest.

  • Wo krieg ich geeignetes Futter, wo wohnt der nächste spezialisierte Tierarzt?

  • Wie viele Individuen will ich halten? Wie muss die Geschlechterzusammensetzung sein? Manche Arten kann man nur einzeln halten, andere nur pärchenweise. Zwei Männchen funktionieren bei den meisten Arten nicht, bei gewissen auch zwei Weibchen nicht.

Alles klar? Dann geht’s jetzt ans Eingemachte. Wo kauf ich ein Terrarium? Oder bau ich mir lieber selber eins? Wie mach ich das? Wie gross muss es sein? Was brauch ich an Technik? Wo krieg ich eine gute Beleuchtung? Fragen über Fragen, die du letztendlich selber beantworten musst. Ich kann dir hier auch nur ein paar Tipps geben.
 

  • Renn nicht in den nächst besten Zooladen und kauf alles zusammen, was dir der Verkäufer andrehen will. Du wirst es mit grösster Wahrscheinlichkeit bereuen.

  • Lass dir Zeit, Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.

  • Frag Mister Google, durchforste Fachforen, besuche einen Reptilien-Stammtisch in der Nähe oder eine Börse. Suche Kontakt zu privaten Züchtern.

  • Wenn du alles zusammen hast (Terrarium, Beleuchtung, UV-Versorgung, Einrichtungsgegenstände), bestellst du die Ware, baust dein Terrarium zusammen und richtest es artgerecht ein.

  • Wenn alles fertig ist, machst du einen Probelauf, mindestens eine Woche. Überwache / kontrolliere dabei die Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Licht an verschiedenen Stellen. Erst wenn alles passt und stabil läuft, solltest du an die Tiere denken.

  • Denke daran, das viele kleine Reptilien und Amphibien Ausbruchskünstler sind, also mach dein Terrarium ausbruchsicher (Terrariumschloss oder andere Verriegelung, Spalt zwischen Schiebescheiben abdichten).

Die Beleuchtung ist erfahrungsgemäss das schwierigste Thema. Leider kennen sich viele Zoofachgeschäfte damit auch nicht aus. Folgende Fachgeschäfte/Internetshops liefern m.E. eine kompetente Beleuchtungsberatung:

Und wo kriegst du die Tiere? Worauf musst du achten?

  • Am besten kaufst du dir deine Tiere direkt bei einem Züchter. Er kann dir sicher auch noch Tipps zu deren Haltung usw. geben.

  • Auch auf Börsen hast du eine grosse Auswahl an Nachzucht-Tieren, die häufig direkt vom Züchter angeboten werden.

  • Ferner sind spezialisierte Zoofachgeschäfte immer noch besser als Zoohandelsketten oder der "Meerschweinchenhändler“ im Dorf. Vorsicht ist aber auch dort geboten.

  • Nimm nach Möglichkeit einen erfahrenen Terrarianer mit, der dir beim Kauf mit Rat und Tat beiseite stehen kann.

  • Bereite anhand deines Buches ein paar Fragen vor, deren Antwort du kennst. Indem du diese Fragen dem Verkäufer stellst, kannst du seine Fachkompetenz überprüfen.

  • Schau dir die Terrarien, die Haltung, die hygienischen Verhältnisse an. Tote oder fast tote Tiere im Terrarium hinterlassen nicht gerade den besten Eindruck.

  • Kaufe nie ein Tier aus Mitleid.

  • Kaufe keine Wildfänge.

  • Kaufe nie ein Tier unvorbereitet, auch wenn’s noch so niedlich aussieht.

  • Kaufe nur Tiere, die einen gesunden Eindruck machen.

  • Gesunde Tiere sind aktiv und aufmerksam, haben keine Hautveränderungen, Häutungsprobleme oder Verletzungen, wehren sich oder flüchten, wenn man sein anfassen will und haben keine Deformationen am Schädel, an der Wirbelsäule und am Schwanz. Eine gesunde Schlange liegt nicht ausgestreckt im Terrarium.

  • Lass dir nach Möglichkeit eine Fütterung vorführen, dann siehst du ob die Tiere problemlos ans Futter gehen.

  • Lass dir zutrauliche Tiere auch mal in die Hand geben. Zum Beispiel sind Bartagamen, die sich wehrlos auf den Rücken drehen lassen oder Schlangen die beim Rausnehmen nicht züngeln mit Sicherheit nicht fit.

  • Nimm eine geeignete Transportbox zum Kauf mit (z.B. Faunabox oder Styroporbox mit Luftlöchern), im Winter mit geeigneten Heatpacks.

  • Schlangen verpackt man am besten in einen verschnürten Leinenbeutel (Kissenüberzug) und dann in die Box.

Dein Wunschtier ist eingezogen.

  • Lass deinem Tier Zeit, um sich einzugewöhnen. Unter Umständen frisst es nicht vom ersten Tag an. Das ist normal und sollte dich nicht gleich stressen. Nach einer Woche sollte sich das aber spätestens langsam legen.

  • Beobachte dein Tier immer aufmerksam. So lernst du schnell sein Verhalten kennen und bist in der Lage, auf Veränderungen schnell zu reagieren.

  • Reptilien und Amphibien sind immer noch Wildtiere, also schleppe dein Tier nicht mit dir rum. Auch freilaufend in der Wohnung haben diese Tiere nichts zu suchen.

  • Suche immer weiter neue Informationen über dein Tier. Es ist unglaublich, was man auch nach Jahren noch über seine Tiere in Erfahrung bringen kann.

So, ich hoffe, ich konnte dir ein paar Tipps geben. Fehlkäufe (Tiere, Terrarium, Technik) sind immer für alle Beteiligten schlecht (ausser für den verantwortungslosen Verkäufer), am meisten leiden aber die Tiere darunter. Als verantwortungsbewusste Terrarianer müssen wir dies um jeden Preis verhindern.

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