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Merkmale:
Der
Teichmolch trägt den wissenschaftlichen Namen
,
der aber für ihn in unserem Land keineswegs zutrifft. Vulgaris bedeutet
nämlich «gemein, gewöhnlich». In der Schweiz ist jedoch der Teichmolch
nichts Gewöhnliches. Vielmehr haben wir es hier mit einer Rarität der
heimischen Amphibienfauna zu tun.
Das Männchen ist zur Zeit der Paarung unverwechselbar: Ein leicht gewellter
Kamm zieht sich entlang des Rückens und über den Schwanz. Dieser läuft in
einer Spitze aus. Auch die Unterseite des Schwanzes ziert ein Schwanzsaum
mit einer orangen und perlmuttartig schimmernden bläulichen Färbung. Die
Zehen weisen Schwimmsäume aus. Auf der Seite des Kopfs verläuft vom
Nasenloch über das Auge bis zum Hals ein markanter dunkler Streifen. Die
Körperseiten tragen grosse dunkle Punkte. Der Bauch ist in der Mitte
leuchtend gelborange bis orangerot und meistens gefleckt, auch die Kehle
trägt in der Regel einige Flecken. Das Männchen ist meist zwischen 7 - 9 cm
gross.
Das Weibchen ist (als Ausnahme unter den Molchen) eher etwas kleiner,
einheitlich braun gefärbt und ohne Flecken auf den Körperseiten. Der Bauch
ist ebenfalls in der Mitte orange gefärbt und meist deutlich gepunktet.
Fadenmolch- und Teichmolchweibchen sind schwierig zu unterscheiden und wenn,
nur mit einer Kombination von mehreren Merkmalen. Typisch für das
Teichmolchweibchen sind folgende Merkmale: Kehle hell gelborange, oft
gefleckt (bei uns allerdings nicht selten nur sehr schwach), Bauchmitte
häufig gefleckt und gelborange bis orange, Hinterbeinwurzel ohne hellen
Fleck, Hinterfuss-Unterseite nur manchmal mit undeutlichen hellen Ballen,
Kloake oft dunkel pigmentiert. Fadenmolch-Weibchen: Kehle milchig, rosa bis
blassorange, ungefleckt, Bauchmitte gelblich bis blassorange und ebenfalls
ungefleckt, oft heller Fleck an Hinterbeinwurzel, Hinterfuss-Unterseite
häufig mit zwei hellen Ballenflecken, i.d.R. Kloake ungefärbt weisslich. Es
sollten immer mehrere Merkmale geprüft werden.
Im Tessin kommt der Südliche Teichmolch vor, eine Unterart mit leicht
anderem Aussehen: Der Kamm des Männchens ist schmaler und nicht gewellt, der
Körper weniger gepunktet.
Der Teichmolch ist in ganz Mitteleuropa und bis nach Westasien verbreitet,
fehlt aber in Spanien und Portugal.
Die Vorkommen in der Schweiz liegen in den tieferen Lagen, vor allem in den
Flusstälern (z.B. Aare, Reuss, Rhein, Thur). Das Hauptverbreitungsgebiet
erstreckt sich vom nördlichen Kanton Zürich, Schaffhausen über den Thurgau
bis ins St. Galler Rheintal. Die meisten Funde stammen aus Höhen zwischen
400 und 600 m, doch kennen wir Nachweise von 260 m (Basel) bis 1024 m Höhe
(La Chaux-de-Fonds). Im Tessin liegen die Fundorte nicht über 420 m; die Art
ist hier sehr selten.
Lebensraum und Lebensweise
Im Kern seines Verbreitungsgebietes besiedelt der Teichmolch als Art des
Tieflandes eine grosse Vielfalt von Gewässern. Aufgrund der topographischen
Lage der Schweiz stösst er an seine ökologische Grenze und lebt nur in
speziellen Gewässern: So treffen wir ihn vor allem in sonnigen, sich leicht
erwärmenden und reich bewachsenen Weihern, etwa in Auengebieten und
Flachmooren. Meist finden sich in solchen Gewässern auch artenreiche
Lebensgemeinschaften aquatischer oder amphibischer Arten. Schattige und
kühle Gewässer sind kaum je besiedelt. Optimale Gewässer haben einen reichen
Bewuchs mit Wasserpflanzen und die damit vorhandenen Versteck- und
Eiablagemöglichkeiten. Teichmolche sind aber im Vergleich zum Fadenmolch und
Kammmolch häufiger im freien Wasser zu beobachten, wo sie auch nach Futter
suchen. Mit dem Teichmolch vergesellschaftet sind nicht selten Kammmolch und
Wasserfrosch, manchmal auch der Laubfrosch. Auf der Alpennordseite können in
Auengebieten auch alle vier Molcharten miteinander vorkommen.
In der Schweiz gibt es starke regionale Unterschiede im
Häufigkeitsverhältnis und der Vertikalverbreitung von Teichmolch zu
Fadenmolch: Im Osten des Landes (z. B. Zürich, Toggenburg, Appenzell) kommen
die Arten fast nie gemeinsam vor und der Fadenmolch ist hier im wesentlichen
auf hügelige Gegenden beschränkt, der Teichmolch auf tiefere Lagen. Dagegen
ist in den tieferen Lagen der West- und Zentralschweiz der Teichmolch
seltener ohne Fadenmolch zu finden, wobei der Fadenmolch generell deutlich
häufiger als der Teichmolch vorkommt. Die ökologischen Unterschiede zwischen
den Arten und die Gründe für diese unterschiedlichen Verbreitungsmuster sind
nicht gut erforscht.
Im Verlauf des Märzes wandern die Teichmolche von den Winterquartieren her
an. Dies können frostfreie Nischen unter Stein- oder Asthaufen sein,
Mausgänge, unterhöhlte Wurzelstrünke und ähnliches. Die Winterquartiere
liegen in der Regel nicht weit vom Laichplatz entfernt
Mitte April dürften bei uns die meisten Teichmolche ihr Laichgewässer
erreicht haben. Teichmolch-Männchen suchen das Gewässer deutlich vor den
Weibchen auf und verlassen es auch wieder früher. Erst Mitte Mai ist der
Höhepunkt des Paarungsgeschehens. Der Ablauf der Paarung ist ähnlich wie bei
den anderen heimischen Molcharten, im einzelnen zeigen sich aber deutliche
Unterschiede: Das Männchen balzt mit auffälligem Verhalten (z.B.
Schwanzpeitschen, Schwanzfächeln, Katzenbuckel) um das Weibchen, wobei vor
allem mit dem Schwanz verschiedene genau festgelegte Bewegungen ausgeführt
werden. Dabei treibt es mit einem Wasserstrom auch Duftstoffe aus seiner
Kloake zum Weibchen. Anschliessend setzt es ein Spermienpaket auf dem
Gewässerboden ab, das vom Weibchen aufgenommen wird. Das Weibchen kann sich
inner weniger Tage mit mehreren Männchen paaren. Danach setzt es über
mehrere Tage oder Wochen rund 100 bis 300 Eier einzeln an Wasserpflanzen ab.
Nach dem Schlüpfen zehren die Larven zuerst noch vom Dottervorrat. In dieser
Phase sind sie leichte Beute vieler Fressfeinde. Beobachtungen zeigten, dass
kaum 5 % der Eier auch einen Jungmolch ergeben. Die Larven des Teichmolchs
sind von denen des Fadenmolchs nicht unterscheidbar. Im Verlauf des Sommers
metamorphosieren sie und gehen an Land. Da die Larven entsprechend der
Eiablage verschieden alt sind, findet man frisch umgewandelte Jungmolche bis
in den Herbst.
Ab Mitte Juni verlassen die erwachsenen Molche zunehmend das Laichgewässer.
Ihre Landlebensräume sind nicht weit vom Laichgewässer entfernt, oft weniger
als 100 m. Doch können sich Teichmolche auch einige hundert Meter vom
Gewässer aufhalten: Bei einer Untersuchung wurden Teichmolche in einer
Distanz vom 200 m bis 1 km von den mutmaßlichen Ausgangspopulationen
entfernt festgestellt. Während des Landlebens finden größere Ortswechsel bei
adulten Tieren aber offenbar nur sehr begrenzt statt. Die Tagesverstecke
werden anscheinend zuweilen über längere Zeiträume genutzt und häufig werden
einzelne Exemplare bis zu mehrere Wochen lang in ein und demselben
Tagesversteck wiedergefunden. Bedingt durch die anscheinend eher geringe
Wandertendenz der Adulten, scheinen Ausbreitungswanderungen wohl vor allem
durch Jungtiere zu erfolgen. Die Winterruhe dürfte bereits im Oktober
beginnen.
Über die Lebensdauer von Teichmolchen ist wenig bekannt. Beobachtungen
deuten darauf hin, dass die jährliche Überlebensrate der Adulten etwa 50 %
beträgt. Doch kann sie auch sehr viel tiefer liegen, so etwa, wenn
Fressfeinde wie Ringelnatter und Kammmolch vorhanden sind. Teichmolche sind
mit frühestens zwei Jahren geschlechtsreif.
In den Weihern kann man meist nur wenige Individuen beobachten. Wenn an
einem Abend in einem Gewässer zwanzig Tiere gezählt werden können, so ist
dies aussergewöhnlich. Die Populationen sind aber meist grösser als die Zahl
der sichtbaren Tiere: Zählungen an Amphibienzäunen oder durch Abfischen mit
Keschern ergaben in Deutschland meist Zahlen zwischen 100 und einigen
Hundert. In der Schweiz dürften die Populationen kleiner sein. Eine Ausnahme
bildet das Südufer des Neuenburgersees, wo eine riesige Population mit
mehreren Tausend Teichmolchen lebt!
Gefährdung, Förderung:
Der Teichmolch ist in der Roten Liste als stark gefährdete Art aufgeführt -
zu Recht. Die Anzahl bekannter Fundstellen ist nicht gross und wird im
Allgemeinen durch Lebensraumzerstörung und -Abwertung zunehmend kleiner.
Allerdings gibt es auch positive Meldungen. Fördermassnahmen wie die
Schaffung neuer Flachweiher im Reusstal waren von Erfolg gekrönt: der
Teichmolch breitete sich lokal aus. Eine gezielte Überwachung der
besiedelten Laichgewässer ist unerlässlich, so dass bei einer
Verschlechterung des Zustandes rasch eine Sanierung geprüft werden kann. Oft
ist es sinnvoller, in Nachbarschaft zum bestehenden Gewässer ein neues
anzulegen statt massiv ins alte Gewässer einzugreifen. Ein
Laichgewässer-Verbund mit mehreren Einzelgewässern ist ideal. Fördern lässt
sich der Teichmolch mit folgendem Gewässertyp: Wenig tief (max. 1 m), sonnig
gelegen, fischfrei, in Waldnähe oder in einem lichten Auwaldbereich, alle
paar Jahre im Winter austrocknend, im Nahbereich (rund 500 m) einer schon
bestehenden Population.
Text:
Claude Meier
Quelle:
KARCH (www.karch.ch)
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
Naturhistorisches Museum
Bernastrasse 15
3005 Bern
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