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Merkmale:
Der
Fadenmolch ()
ist unser kleinster heimischer Molch und - obwohl nicht so selten - ein
recht heimlicher Geselle. Er wurde von RAZOUMOWSKY 1789 nach Tieren aus dem
Raum Lausanne unter dem Namenerstmals beschrieben.
Beim Männchen fallen als erstes zwei Merkmale auf, welche die Art
unverwechselbar machen: Das Ende des Schwanzes bildet ein kleiner Faden von
einigen mm Länge (Name!). Sodann hat das Männchen im Hochzeitskleid zwischen
den Zehen der Hinterfüsse schwarze Schwimmhäute. Das Männchen ist braun
gefärbt, zeigt an den Flanken schwarze Punkte sowie auf der Schwanzseite
zwei längs verlaufende Punktreihen und einen orangen Streifen dazwischen.
Der Bauch ist blass orange und höchstens schwach gefleckt, die Kehle in der
Regel ungefleckt. Die Grösse des Männchens liegt meist zwischen 6 - 7.5 cm.
Das Weibchen ist etwas grösser als das Männchen, unscheinbar braun und nur
schwach gefleckt. Der Bauch ist meist blass orange gefärbt und teils leicht
gepunktet. Die Unterscheidung der Männchen von Faden- und Teichmolch ist
einfach, nicht so jene der Weibchen. Folgende i.d.R. vorhandene Merkmale
können hilfreich sein: Fadenmolch-Weibchen: Kehle milchig, rosa bis
blassorange, ungefleckt, Bauchmitte ungefleckt und gelblich bis blassorange,
oft heller Fleck an Hinterbeinwurzel, Hinterfuss-Unterseite häufig mit zwei
hellen Ballenflecken, Kloake ungefärbt weisslich. Teichmolch-Weibchen: Kehle
meist gefleckt (bei uns allerdings nicht selten nur sehr schwach),
Bauchmitte gefleckt und kräftig gelborange bis orange, heller Fleck an
Hinterbeinwurzel fehlt meistens, Hinterfuss-Unterseite nur manchmal mit
undeutlichen hellen Ballen, Kloake meist dunkel pigmentiert. Eine sichere
Artbestimmung ist nicht immer möglich.
Der Fadenmolch besiedelt Grossbritannien, sodann ein Gebiet vom Norden
Deutschlands über die Benelux-Staaten und Frankreich bis in den Norden
Spaniens. Die Vorkommen in der Schweiz liegen am östlichen Rand des
Verbreitungsgebietes. Sie ziehen sich in einem breiten Band vom Genfer
Becken bis zur Einmündung des Rheins in den Bodensee. Die östliche
Begrenzung verläuft etwa entlang der grossen Alpenrandseen (Brienzersee -
Walensee). Er fehlt auf der Alpensüdseite. Man findet ihn meist in Höhen
zwischen etwa 450 und 700 m, doch in manchen Gebieten noch bis 1000 m, das
höchste Vorkommen in den Alpen liegt auf 1460 m Höhe.
Lebensraum und Lebensweise
Unser kleiner Molch erscheint auf den ersten Blick nicht besonders
wählerisch: Wir begegnen ihm in einer Vielfalt verschiedener Laichgewässer:
Wagenspuren, Waldweiher und -tümpel, Gräben, Torfstiche und ähnliche
Moorgewässer, Grubengewässer, bis hin zum Kleinsee. Auch schattige und eher
kühle Gewässer werden nicht gemieden. Experimente haben ergeben, dass die
Vorzugstemperatur des Fadenmolchs im Vergleich zum Teichmolch rund 2° C
geringer ist. Dies widerspiegelt sich auch in den Fundorten. Inventare
zeigten, dass er vor allem in halbschattig liegenden Gewässern vorkommt, in
den Auenwaldgebieten von Aare und Reuss ist der Fadenmolch sogar die
häufigste Molchart. Oft ist er mit dem Bergmolch vergesellschaftet, deutlich
seltener mit dem Teichmolch und noch seltener mit dem Kammmolch. Im
Gegensatz zum Bergmolch, der auch in vegetationslosen Gewässern auftritt,
findet man den Fadenmolch dort eher selten. Auch kleine Tümpel mit nur
einigen cm Wassertiefe werden von ihm besiedelt. Weiher mit viel Faulschlamm
oder Fallaub scheinen hingegen keine günstigen Laichgewässer zu sein.
Der Fadenmolch ist als kleinster Molch kein sehr aktiver Schwimmer, sondern
hält sich vor allem am Gewässergrund oder in dichtem Pflanzenbewuchs auf.
Nicht selten entdecken wir ihn auch ganz nah am Ufer im seichten Wasser, oft
unter Pflanzenresten versteckt.
Bereits ab März kommen die Fadenmolche zum Laichgewässer. Doch bevor sie zur
Paarung schreiten, gilt es insbesondere für die Weibchen, sich zuerst
tüchtig aufzufuttern. Die Produktion der Eier verlangt viel Energie. Paarung
und Laichgeschäft finden hauptsächlich zwischen Mitte April und Anfang Juni
statt. Der Ablauf ist dabei arttypisch, aber grundsätzlich ähnlich wie bei
den anderen heimischen Molcharten: Das Männchen balzt mit auffälligem
Verhalten (ausdauerndes Schwanzfächeln, Schwanzpeitschen, Katzenbuckel) um
das Weibchen und deponiert anschliessend ein Spermienpaket am Gewässerboden,
das vom Weibchen aufgenommen wird. Später setzt das Weibchen einzeln und
während mehrerer Wochen rund 300 bis 450 Eier an Wasserpflanzen. Ab Mitte
Juni verlassen die erwachsenen Molche nach und nach das Laichgewässer. In
der Regel (doch weiss man nur wenig Genaues) entfernen sie sich nur einige
wenige hundert Meter vom Laichgewässer.
Die Entwicklungszeit der Larven dauert rund drei bis vier Monate. Während
dieser Zeit sind sie vielen Gefahren ausgesetzt: Gelbrandkäfer- und
Libellenlarven, aber auch erwachsene Molche (etwa der häufige Bergmolch) und
vor allem Fische kommen als Fressfeinde in Frage. Die kleinen Larven
ernähren sich von tierischem Plankton (z.B. Wasserflöhe), kleinen Insekten
und anderen Wirbellosen. Die Molchlarven sind keine schnellen Jäger, sondern
schleichen sich sehr langsam an etwas Fressbares heran. Dann, wenn die
Grösse stimmt, gilt es, blitzschnell zuzuschnappen und nicht wählerisch zu
sein. Etwa im Verlaufe des Juli kommen die ersten Jungmolche an Land,
weitere folgen bis in den Herbst hinein. Nach dem Landgang suchen sie sich
geeignete Landlebensräume und später Plätze für die Überwinterung. Spät
geschlüpfte Larven können auch überwintern. Fadenmolche dürften in Freiheit
ein Alter von einigen Jahren erreichen und ein- bis vielleicht dreimal am
Fortpflanzungsgeschehen teilnehmen.
Da das Spektrum der Laichgewässertypen recht breit gefächert ist und seine
Vorliebe für gemässigt-feuchte Verhältnisse in vielen Gebieten unseres
Landes erfüllt ist, müsste man annehmen, dass der Fadenmolch entsprechend
weit verbreitet ist. Im Vergleich zu Teich- und Kammmolch stimmt das auch.
Dennoch gibt es im Vergleich zum Bergmolch deutlich weniger Vorkommen. Im
einem Gewässer werden oft kaum mehr als 5 bis 20 Tiere entdeckt, doch können
es auch schon mal hundert Tiere sein. Im Mai sind im Normalfall die meisten
Tiere im Wasser zu beobachten.
Die Wanderleistungen des Fadenmolchs erscheinen nicht allzu gross; einige
hundert Meter dürften das Maximum sein, das natürlicherweise zurückgelegt
wird. So überrascht es nicht, dass der Fadenmolch eher selten an neu
angelegten Gewässern (auch Gartenweihern) auftaucht, wie das beim Bergmolch
oft der Fall ist. Die gute Vernetzung bestehender Laichgewässer ist
besonders wichtig, damit die Populationen nicht isoliert werden.
Beobachtungen zeigen, dass Gebüsch (Hecken), Brachland als Korridore und
neue Gewässer die Ausbreitung der Fadenmolche fördern können.
Schutzmassnahmen:
Der Fadenmolch ist in der Roten Liste als gefährdete Art aufgeführt. Wobei
die Gefährdung als eine eher langfristige eingestuft wird. Die teilweise
schleichende Zerstörung der Laichgewässer in ungeschützten Lebensräumen ist
noch immer die häufigste Ursache für den Rückgang. Unscheinbare feuchte
Mulden in Äcker und Waldrändern, Wagenspuren und ähnliches werden
unauffällig aufgefüllt, melioriert, asphaltiert.
Fördern lässt sich der Fadenmolch durchaus: Wenig tiefe, fischfreie Gewässer
(max. 1 m), halbschattig gelegen, in Waldnähe oder auf Waldlichtungen und im
Nahbereich (rund 500 m) einer schon bestehenden Population haben gute
Chancen, besiedelt zu werden.
Text:
Claude Meier
Quelle:
KARCH (www.karch.ch)
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
Naturhistorisches Museum
Bernastrasse 15
3005 Bern
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