|
Merkmale:
Keine
andere Lurchart Europas ist derart vielfältig gefärbt und gezeichnet wie der
Grasfrosch . Die Färbung
reicht von gelbbraun über braun, oliv, rötlich, dunkelbraun, grau bis fast
schwarz; die Tiere sind stärker oder schwächer gefleckt oder völlig
einförmig gefärbt. Einzig ein richtiges Grün ist diesem "Braunfrosch" fremd,
dies hat die Gruppe der Wasser- und Laubfrösche für sich reserviert.
Weibchen zeigen meist einen Stich ins Rötliche. Mit einer durchschnittlichen
Körperlänge von 7 - 9cm gehört er zu den stattlichen Erscheinungen unter den
einheimischen Amphibienarten. Maximal wird er 10 cm lang und knapp über 100
g schwer, während die kleinsten geschlechtsreifen Grasfrösche nur 6 cm lang
und knapp 20 g schwer sind.
Lebensraum und Verhalten:
Die meisten Grasfrösche ziehen bereits zwischen August und November dem
Laichgewässer entgegen. Ein Teil der Tiere sucht für die Überwinterung
direkt eine sauerstoffreiche Stelle im Gewässer auf, zum Beispiel einen Bach
oder den Ein- bzw. Ausflussbereich eines Weihers. Ein anderer Teil
überwintert im Waldboden und macht sich beim ersten Tauwetter auf den Weg
zum Laichplatz - und wird dabei nicht selten von den Rädern unserer
Automobile überrollt.
Wer es dennoch geschafft hat, trifft sich mit den Artgenossen an der zuerst
auftauenden Stelle des Gewässers. Meist ist dies eine seichte Stelle mit
überschwemmten Grasbüscheln am Nordufer. Oft ist der grösste Teil des
Gewässers noch zugefroren, das Wasser um 4° C kalt. Die "hohe Zeit" der
Grasfrösche beginnt in den wärmsten Lagen des Mittellandes mitunter schon
Mitte Februar; der Aktivitätsgipfel wird normalerweise um den 10. März herum
erreicht.
Die Männchen, welche meist etwas vor den Weibchen eintreffen, verteilen sich
nicht gleichmässig über das ganze Gewässer, sondern bilden eine oder mehrere
"Arenen", Ansammlungen von bisweilen Hunderten oder Tausenden von Männchen,
die alle ein dumpfes, unauffälliges Gurren ertönen lassen. Grasfroschchöre
sind bei mildem, ruhigem Wetter auch tags, sonst vor allem in den
Abendstunden zu hören.
Jedes anmarschierende Weibchen wird sofort angesprungen und hinter den
Vorderbeinen umklammert. Nach einigen Stunden oder wenigen Tagen kommt es
dann zur Eiablage und Befruchtung, wobei jedes Weibchen je nach Grösse einen
gallertigen Eiklumpen mit 800 bis 2500 Eiern (in andern Regionen bis 4000)
ablegt. Die Weibchen verlieren dabei rund einen Drittel ihres
Körpergewichtes und sehen nach der Eiablage ausgemergelt aus. Nach wenigen
Tagen ist der ganze Spuk vorbei, und der grösste Teil der Tiere hat das
Gewässer Richtung umliegende Wälder und Felder verlassen, wo sie sich für
einige Wochen wieder eingraben. Ein kleinerer Teil der Tiere bleibt jedoch
über Wochen weiterhin im Gewässer, benimmt sich dabei aber derart
unauffällig, dass sie kaum je beobachtet werden.
Entsprechend den Ansammlungen der Alttiere auf engem Raum werden auch die
Laichballen eng nebeneinander abgelegt und bilden bis mehrere Quadratmeter
grosse Laichteppiche. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen kleine, fast
schwarze Larven mit grossen Kiemenbüscheln, die die Tendenz zeigen, auf die
leeren Gallerthüllen hinauf zu gelangen und dort von den erhöhten
Temperaturen im seichten Wasser zu profitieren. Diese Bevorzugung des
seichten Wassers wird sowohl dem Laich wie den Larven nicht selten zum
Verhängnis. In einem trockenen Frühjahr geht das Wasser bald zurück und
Laich oder Larven vertrocknen. Für die gesamte Population ist dies
allerdings selten eine Katastrophe, weil in einem günstigen, feucht-warmen
Frühling eine enorme "Überproduktion" stattfindet, die den Verlust eines
Jahrgangs leicht zu kompensieren vermag.
Bald verschwinden die äussern Kiemenbüschel, und eine uns wohlbekannte
Kaulquappe (Rosskopf, Rossnagel) wächst heran. Nach weiteren zwei Monaten -
im Unterland also im Monat Juni - wandelt sich die Larve zum landlebenden
Jungfrosch um, wobei der Körper einen enormen Umbau erfährt (Metamorphose):
Lungen wachsen heran, dies Raspelzähne der Aas und Pflanzen fressenden
Larven verschwinden zugunsten einer Schleuderzunge, der Schwanz bildet sich
zurück, vier Beine wachsen heran und die Augen treten aus dem Kopf hervor.
Für mehrere Tage müssen die Tierchen jegliche Futteraufnahme einstellen.
Unter günstigen Umständen wandern Ende Juni Tausende von 12 - 15 mm langen
Fröschchen vom Weiher weg in die Umgebung ("Froschregen").
Bis zum Erreichen der Geschlechtsreife nach normalerweise drei Jahren (im
Gebirge später) führen die halbwüchsigen Tiere ein äusserst verstecktes
Leben und scheinen wie vom Erdboden verschluckt. Sie bleiben dem Wasser die
ganze Zeit über fern und wandern erst im vierten Frühjahr wieder an ihren
angestammten Laichplatz zurück. Die Männchen und die meisten Weibchen
erscheinen jedes Jahr am Laichplatz; besonders im Gebirge aber hat ein Teil
der Weibchen einen Zweijahreszyklus. Die meisten Grasfrösche kommen nicht
mehr als zwei- bis viermal zum Laichen, werden also kaum mehr als 5 - 7
Jahre alt. Selten mal taucht ein acht bis elf Jahre alter "Greis" auf.
Verbreitung:
Es ist kaum übertrieben zu sagen, der Grasfrosch komme überall vor. Stehende
und leicht fliessende Gewässer aller Art werden besiedelt, seien sie auch
nur knapp einen Quadratmeter gross und mitten im Wald gelegen. Gemieden
werden nur stark fliessende Gewässer und solche mit dichtem Fischbesatz. In
Gruben und ähnlichen Lebensräumen leben meist nur wenige Grasfrösche,
während Flachmoore (Titelbild) offenbar optimal sind, wurden doch hier schon
Populationen von über 10 000 Tieren festgestellt.
Im Rahmen des Inventars der Amphibienlaichgewässer in der Schweiz wurden
Grasfrösche an über 70 % aller untersuchten Gewässer nachgewiesen. Nur im
südlichen Tessin und im Raum Genf ist der Grasfrosch nicht die häufigste
Amphibienart. Auch im gesamten Alpenraum besiedelt er die meisten
Kleingewässer, auf der Alpennordseite bis 2300 m.ü.M, im Engadin und Wallis
sogar bis 2600 m.ü.M! In den südlichen Walliser und Tessiner Alpen ist der
Grasfrosch meist die einzige Amphibienart. Selbstverständlich ist die
Laichzeit hier weit in den Sommer hinein verschoben, nach einem
schneereichen Winter sogar bis anfangs Juli. Dennoch ist es für die Larven
meist kein Problem, vor Wintereinbruch das Gewässer zu verlassen, da sie
etwas schneller wachsen als die Larven im Unterland. Eine Überwinterung im
Larvenstadium ist jedenfalls eine ganz grosse Ausnahme.
Der Grasfrosch gehört zu den weitest verbreiteten Amphibienarten Europas.
Sein Areal umfasst ganz Mitteleuropa bis weit nach Asien hinein.
Entsprechend seinem Vorkommen extrem hoch in den Alpen besiedelt er auch
Skandinavien bis zum Nordkap, wo er wiederum die einzige Amphibienart ist.
Gegen Süden hin wird es ihm bald einmal zu warm. So scheint er bereits im
südlichsten Tessin, im Mendrisiotto, zu fehlen. Auf dem Balkan, in
Mittelitalien, Südfrankreich und in den Pyrenäen meidet er das Tiefland und
besiedelt nur noch Gebirgslagen. In der Schweiz aber ist er unbestritten die
dominierende Amphibienart und momentan noch nicht direkt gefährdet.
Schutzmassnahmen:
Neben dem Tod auf der Strasse, der die
Grasfroschbestände dezimiert, zeigt sich in den letzten Jahren vermehrt
folgendes Phänomen: Vor allem in Gartenweihern und andern kleineren,
isolierten Wasserbecken sterben die im Wasser überwinternden Grasfrösche bei
geschlossener Eisdecke, dies oft schon im November. Es ist noch nicht
geklärt, ob Sauerstoffmangel oder freiwerdende toxische Abbauprodukte der
sich zersetzenden Wasserpflanzen, Algen oder Laub dafür verantwortlich sind.
Abhilfe ist nicht einfach: Absterbende Pflanzen entfernen, wenig Schlamm am
Grund belassen, Verhindern des gänzlichen Zufrierens. In der Regel ist der
Grasfroschbestand an sich nicht gefährdet, da immer Grasfrösche, die an Land
überwinterten, die Fortpflanzung gewährleisten.
Insgesamt hat der Grasfrosch unter folgenden Voraussetzungen gute
Zukunftsaussichten:
- In
unserer Landschaft müssen dauernd Kleingewässer aller Art, seichte Partien
an Grossgewässern und natürlich mäandrierende Bachläufe vorhanden sein.
Neuschaffungen solcher Gewässer werden vom Grasfrosch in der Regel bald
besiedelt.
- Auf
eine weitere Entwässerung feuchter Partien auf Wiesen und in Wäldern muss
verzichtet werden, sind dies doch die Landlebensräume des Grasfrosches.
- Der
Einsatz von Pestiziden oder Kunstdüngern ist in allen diesen Gebieten und
auf den Froschwanderstrecken völlig einzustellen.
Text:
Kurt Grossenbacher
Quelle:
KARCH (www.karch.ch)
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
Naturhistorisches Museum
Bernastrasse 15
3005 Bern
zurück |