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Merkmale:
Die
Kreuzkröte ist mit 5 - 7 cm
Körperlänge kleiner als die nahe verwandte Erdkröte. Männchen und Weibchen
sind annähernd gleich gross. Die Kreuzkröte hat auffällig kurze Hinterbeine,
die sie kaum zum Springen, jedoch zum behänden, ja nahezu mausähnlichen
Laufen befähigen. Die Grundfärbung der Körperoberseite ist weisslich mit
einer olivfarbenen Marmorierung, die auf den Beinen inselartig ausgeprägt
ist. Oft überziehen kleine rot-orange Warzen die Oberseite. Charakteristisch
ist eine feine, aber meist sehr deutliche, gelbe Linie auf der Rückenmitte
(Achtung: selten kann diese Linie auch fehlen!). Die sehr ähnlich
gezeichneten Weibchen sind stärker dunkel grün-oliv gefärbt. Die Unterseite
ist weisslich, während die Kehlhaut beim Männchen blau-violett gefärbt und
sehr dünn ist. Diese Haut kann das Männchen zur fast körpergrossen Kehlblase
aufblähen.
Lebensweise
Die Kreuzkröte ist ein Pionier und Vagabund. Die ersten Tiere werden an
milden Frühlingsabenden, selten mal schon Ende März, meist aber ab Mitte
April aktiv. Sobald die Dämmerung hereingebrochen ist, beginnen einzelne
Männchen am Rande grosser Pfützen zu rufen. Bald setzt ein ganzer Chor
rufender Männchen mit ihrem lauten, metallischen "ärrrr-ärrrr" ein, der bei
ruhiger Luft viele Hundert Meter weit zu hören ist. Charakteristisch ist die
Haltung der Männchen beim Rufen: Auf die Arme, manchmal auf die
Fingerspitzen abgestützt, stehen die Tiere hochaufgerichtet im seichten
Wasser, meist direkt am Gewässerrand, manchmal auch an Land. Ein Rufen
schwimmend auf der Wasseroberfläche (wie etwa beim Laubfrosch) oder unter
Wasser ist ausgeschlossen. Nähert sich ein anderes Männchen, ein Paar oder
ein Weibchen, so schwimmt oder rennt das Männchen auf dieses zu und versucht
es zu umklammern. Verpaarte Männchen äussern einen kurzen Abwehrlaut und
stossen den Zudringling mit den Hinterbeinen weg. Kommt es zur Paarung, so
legt das Weibchen nach wenigen Stunden eine ein- bis zweireihige Laichschnur
mit einigen tausend Eiern, die vom Männchen gleichzeitig besamt werden, ins
seichte Wasser ab, ohne sie speziell zu befestigen. Die Rufperiode kann
insgesamt von Ende März bis in den August hinein reichen, allerdings mit
unterschiedlicher Intensität: Während des Höhepunkts Ende April/Mai ruft der
Chor die ganze Nacht durch bis zum Morgengrauen, später im Frühling nur noch
abends und in den Morgenstunden. Zwischendurch gibt es Phasen, wo nur wenige
oder keine Tiere aktiv sind (etwa bei Wassertemperaturen unter 10° C). Im
Hoch- und Spätsommer wird meist nur noch bei und nach Regenfällen gerufen.
Entsprechend der langen Rufaktivität kann der Laich irgendwann zwischen
April und August abgelegt werden, die Wassertemperatur muss aber über 12° C
betragen. Tagsüber halten sich die Tiere versteckt unter Brettern,
Steinplatten, Ziegeln oder in Erdlöchern auf. Ausnahmsweise rufen Männchen
tagsüber aus dem Versteck heraus.
Während der langen Fortpflanzungsperiode halten sich nicht immer die
gleichen Männchen am Gewässer auf; vielmehr lösen sich mehrere "Wellen"
Männchen am Gewässer ab. Die Weibchen besuchen das Gewässer nur sehr kurz,
oft nur eine Nacht, so dass hier dauernd ein massiver Männchenüberschuss
herrscht. Ausserhalb der Fortpflanzungszeit halten sich die meisten
Kreuzkröten in der näheren und ferneren Umgebung der Gewässer versteckt.
Über die Landphase ist sehr wenig bekannt. Offenbar verlassen vor allem
Halbwüchsige das Fortpflanzungsgebiet definitiv und machen sich auf die
Suche nach neuen Lebensräumen bis zu mehreren Kilometer Distanz. Die
Fortpflanzungsstrategie der Kreuzkröte basiert auf der schnellen Nutzung von
oft nur vorübergehend existierenden, sich stark erwärmenden Kleingewässern,
in welchen kaum Feinde vorhanden sind. Die Larven entwickeln sich
ausserordentlich schnell und ertragen Wassertemperaturen von über 30° C
problemlos. Die gesamte Larvenentwicklung wird in 3 - 6 Wochen
abgeschlossen! Oft endet dieses Glücksspiel mit einem Totalverlust, indem
die Pfütze vorzeitig austrocknet. Bei einem "Treffer" aber entwickeln sich
Tausende von winzigen Jungkröten, die nach der Metamorphose nur 7 - 8 mm
lang sind und ca. 75 mg wiegen.
Lebensraum und Verbreitung:
Das Verbreitungsgebiet der Kreuzkröte erstreckt sich in einem rund 700 km
breiten Band der Atlantikküste entlang von Südspanien über ganz Frankreich,
die Benelux-Staaten, Deutschland, Dänemark, Tschechei, Polen, Westrussland,
England und Irland.
In der Schweiz lebt die Art nur in tieferen Lagen der Alpennordseite von
Genf bis Thurgau/St.Gallen, ohne das Rheintal oberhalb des Bodensees zu
erreichen. Relativ häufig ist die Kreuzkröte nur im Kanton Freiburg, im
Berner Seeland sowie in den Kantonen Aargau und Zürich. Die maximale Höhe
wird mit 880 m ü.M. im Schwarzenburgerland erreicht.
Die Kreuzkröte zeigt eine starke Bindung an frische Abbaugebiete; dies sind
vor allem Kiesgruben, aber auch Sand- und Lehmgruben, Steinbrüche,
Waffenplätze, Baustellen, Deponien: Also alles vom Menschen geschaffene
Sekundärlebensräume. Als Pionierart tritt sie zudem ganz spontan etwa auf
überschwemmten Äckern oder in Regenwasserpfützen von Baustellen auf, Stellen
mit oft nur sehr kurzfristiger Existenz. Überwachsen die Gewässer nach
einigen Jahren zu stark mit Vegetation, so wandert die Kreuzkröte ab.
Nur noch extrem selten finden sich ursprüngliche Lebensräume der Kreuzkröte,
etwa Kies- und Sandbänke unkorrigierter Mittellandflüsse, oder ganz flach
auslaufende Seeufer mit sehr lockerer Ried- oder Röhrichtvegetation.
Schutzmassnahmen:
Die Kreuzkröte zählt zu den seltenen Amphibienarten
der Schweiz. Ihre Lebensräume sind extrem unbeständig: Entweder verlanden
und überwachsen sie derart, dass sich Tiere nicht mehr wohlfühlen und
abwandern, oder aber sie werden vom Menschen zugeschüttet. Die Kreuzkröte
ist kein Tier für den Privatgarten, da hier kaum auf die Dauer geeignete
Lebensräume geschaffen werden können. Ihr Schutz ist eine Aufgabe für
Behörden und Naturschutzorganisationen. Aber auch Gruben können nur schwer
in einem für Kreuzkröten günstigen Zustand gehalten werden. In modernen
Gruben ist der Betrieb oft derart intensiv, dass sich nirgends mehr für
einige Wochen Gewässer ungestört halten können. Erleidet eine Grube nicht
das normale Schicksal des Aufgefülltwerdens und kann sie der Naturschutz
sichern, so setzt ein Kampf um die Erhaltung der Pionierstadien ein. Dies
bedingt den regelmässigen Einsatz von Baumaschinen, welche alle paar Jahre
die zuwachsenden Böden und Hänge wieder aufreissen und neue Gewässer
anlegen. Geeignete Unterschlüpfe in Form von groben Stein-, Backstein- oder
Ziegelhaufen sollten zusätzlich errichtet werden.
Kurzfristig müssen die vorhandenen gut geeigneten Lebensräume (v.a. Gruben,
Steinbrüche und Waffenplätze) für die Kreuzkröte gesichert werden. Wir
kommen vorläufig nicht darum herum, vom Menschen künstlich geschaffene und
unterhaltene Lebensräume anzubieten, die die Kreuzkröte oft auch spontan
besiedelt. Allerdings wird dieser Prozess durch die zunehmende Zerschneidung
unserer Landschaft und die daraus folgende Isolation der Lebensräume
erschwert bis verunmöglicht. Der dauerhafte Schutz einiger weniger günstiger
Lebensräume genügt nicht. Unserer Landschaft fehlt zunehmend die Dynamik,
wenn wir von der Bautätigkeit absehen, die aber kaum je die Schaffung von
Naturlebensräumen zum Ziel hat.
Mittelfristig müssen ganze Ketten von Naturlebensräumen in
unterschiedlichsten Entwicklungsstadien unsere Landschaft durchziehen, die
in grösseren Zeitabständen in ein Anfangsstadium mit frisch aufgebrochenen
Böden und Hängen zurückversetzt werden.
Als Fernziel aber ist die Schaffung ursprünglicher Kreuzkrötenhabitate
anzustreben, indem ein Teil der Fluss- und Seespiegeldynamik
wiederhergestellt würde, wobei gleichzeitig der heutige Nährstoffeintrag
massiv gesenkt werden müsste. Nur so kann die Kreuzkröte langfristig und
selbständig überleben. Sicher würde sie aktiv an einem solchen Programm
mitarbeiten, indem sie bald neu entstehende Lebensräume besiedelt. Der
Mensch müsste lediglich günstige Rahmenbedingungen schaffen.
Text:
Kurt Grossenbacher
Quelle:
KARCH (www.karch.ch)
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
Naturhistorisches Museum
Bernastrasse 15
3005 Bern
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