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Merkmale:
Die
Erdkröte hat eine gedrungene
Gestalt mit kurzen Hinterbeinen und stumpfer Schnauze. Die Iris der stark
hervortretenden Augen ist kupferrot, die Pupille waagrecht. Unter den vielen
Hautdrüsen sind die "Ohrdrüsen" hinter den Augen auffällig; aus ihren
scheidet die Kröte bei Misshandlung ein weissliches, giftiges Sekret aus,
das die Schleimhäute eines Feindes - auch die des Menschen - stark reizen
kann. Warzen bekommt dagegen niemand vom Berühren der Kröten; die Haut fühlt
sich trocken und besonders bei Jungen und Weibchen etwas körnig an. Die
Hautfarbe wechselt beim gleichen Tier je nach Jahreszeit, Häutungszyklus,
Wasseraufenthalt usw. von hellgelb bis gegen schwarz; manche Weibchen sind
an den Seiten deutlich gefleckt, Halbwüchsige oft rötlich. Die Männchen
tragen vom Herbst bis im Frühling dunkle "Schwielen" an den inneren 3
Fingern; ihre Stimme - die Weibchen sind stumm - ist mangels äusserer
Schallblase leise. Die Weibchen sind mit z.B. 78 mm deutlich grösser als die
Männchen der gleichen Population (65 mm), die Tiere im Tessin () grösser als die der
Alpennordseite, aber auch hier variiert die Grösse je nach Standort.
Lebensweise
Die Erdkröten zeigen ein unterschiedliches Verhalten je nach der Art des
Laichplatzes, den sie aufsuchen. Die meisten im Mittelland vorkommenden
Erdkröten gehören zu einer Population, die sich im März oder April für 2 - 3
Wochen in der Uferzone eines dauerhaften Weihers oder in einem bestimmten
Abschnitt eines Seeufers zur Fortpflanzung trifft. Überwintert haben die
Tiere in der Regel in den umliegenden Wäldern. Bei solchen oft grossen,
mehrere tausend Individuen zählenden Populationen ist die nächtliche
Wanderung zum Laichplatz beeindruckend. Besonders augenfällig werden diese,
wenn dabei eine stark befahrene Strasse überquert werden muss und viele
Kröten überfahren werden. In einem durch die aktuelle Witterung
mitbestimmten populationstypischen Zeitabschnitt wandern die Kröten am
zügigsten ab 5° C nach Einbruch der Dunkelheit bei Regen. Die im Frühling
zurückgelegte Wanderdistanz variiert nach Population und Individuum; mehrere
hundert Meter bis ein Kilometer sind häufig. Die Sommerquartiere, besonders
der Weibchen, sind zum Teil wesentlich weiter - bis gegen 3 km - vom
Laichplatz entfernt; einen Teil der Laichwanderung legen die Kröten bereits
im Herbst zurück. Auf der Wanderung springen die Männchen, die deutlich in
der Überzahl sind, jedes sich bewegende Objekt von passender Grösse an, so
dass die meisten Weibchen bereits mit einem Männchen auf dem Rücken am
Laichplatz eintreffen. Nach etwa 5 - 14 Tagen Wasseraufenthalt laichen die
meisten Paare innerhalb einer Woche in einem Bereich von wenigen
Quadratmetern ab, häufig im Schilfgürtel, wo das Wasser etwa 60 cm tief ist.
Zwischen den rund 10 und mehr einzelnen Laichakten, bei denen das Männchen
die jeweils austretenden Abschnitte der beiden Laichschnüre besamt, bewegt
sich das Paar soweit fort, bis die Schnüre straff in der Vegetation (oder
als Ersatz zwischen Ästen und Steinen) aufgehängt sind.
Nach dem Laichen wandern die Kröten in die Wälder zurück, wo sie ab Mai in
Regennächten mit 12° C und darüber vor allem Gliederfüsser und Regenwürmer
jagen, wobei sie sich gute Beuteplätze, z.B. Ameisenstrassen merken. Das
Sommerquartier einer Kröte, dem sie über Wochen und Monate, manchmal auch
noch im Folgejahr, treu bleibt, hat häufig um 100 Meter Durchmesser und kann
sich mit dem Jagdbereich vieler anderer Individuen überschneiden. Um den
längsten Tag herum sind die Daumenschwielen der Männchen am stärksten
zurückgebildet, aber schon im August treten diese Geschlechtsmerkmale wieder
deutlicher hervor. Bis im September nähern sich viele Kröten wieder dem
Laichplatz, und vergraben sich in der ersten Oktoberhälfte zum Überwintern
im Waldboden.
Die Individuen dieses Verhaltenstyps zeigen eine starke Bindung an "ihren"
Laichort, dem sie selbst dann treu bleiben, wenn er ungeeignet geworden ist.
Umsiedlungsversuche sind äusserst aufwändig; man muss die Paare am neuen Ort
zum Laichen einsperren, und es sieht so aus, als ob erst ihre Nachkommen
nach Jahren den neuen Ort annehmen würden.
An Laichplätzen mit zeitlich und lokal wechselnden oder für den
"Massenbetrieb" sonst wie ungeeigneten Wasserstellen wie in Kiesgruben,
Flussauen, Restpfützen zerstörter Weiher, auf der Alpensüdseite auch an
Bächen, verhalten sich die Erdkröten ähnlich wie die Kreuzkröte: Die
Gesamtlaichzeit dehnt sich aus, und die vergleichsweise wenigen gleichzeitig
anwesenden Männchen äussern häufiger den sonst sehr selten zu hörenden
leisen Lockruf. Der übliche, metallische Laut der Männchen ist dagegen ein
Abwehrsignal, das sie im Frühling bei jeder Berührung äussern. In den
stabilen Gewässern, wo die Erdkröten innerhalb weniger Tage "explosiv" ihren
Laich ablegen, können die pechschwarzen Kaulquappen grosse Schwärme bilden.
Sie haben in der Haut einen Schreckstoff, der bei Verletzungen z.B. durch
Fressfeinde frei wird und die anderen zum Fliehen veranlasst. Ende Juni
schwärmen die aus anfangs April gelegtem Laich stammenden, bei der
Metamorphose knapp 1 cm grossen Krötchen auch bei Tag und in "guten" Jahren
in Massen vom Gewässer weg und nehmen nach wenigen Wochen die nächtliche
Lebensweise der Alten im Wald an. Die Erdkröte wird erst mit 3 - 5 Jahren
geschlechtsreif, und die meisten Weibchen, die dieses Alter erreichen,
suchen den Laichplatz nur einmal in ihrem Leben auf; die Männchen häufiger.
IVerbreitung, Gefährdung und Schutz
Die Erdkröte kommt in ganz Europa und darüber hinaus - mit Ausnahme von
Nordskandinavien und Inseln - vor, tritt in den Alpen über 1500 m ü.M.
sporadisch bis gegen 2200 m ü.M. auf und ist unterhalb 1500 m ü.M. in der
Schweiz weit verbreitet und häufig. Obwohl hier die meisten Kröten
ausserhalb der Laichzeit in den Wäldern leben, findet man immer auch Tiere
in offenem Land, in Siedlungen und Gärten.
Der Umstand, dass wohl die meisten grossen Krötengesellschaften des
Mittellandes mit "sturer" Ortstreue an bestimmte Laichorte in dauerhaften
Gewässer gebunden sind, bringt ihnen in der Zivilisationslandschaft Vor- und
Nachteile. Der Vorteil liegt darin, dass viele der von der Erdkröte
benutzten Weiher und Seeuferabschnitten auch dem Menschen reizvoll
erscheinen und deshalb geschützt sind. Mit rund 2500 bekannten Standorten in
der Schweiz ist die Art zur Zeit nicht stark gefährdet, gilt aber dennoch
als rückläufig. Denn die Bindung an bestimmte Orte bringt auch Nachteile:
Wird ein Laichplatz ohne in unmittelbarer Nähe gelegenen Ersatz zerstört,
kann die ganze Population aussterben. Die Ortstreue macht die Erdkröte wenig
flexibel - es gibt Ausnahmen - im Besiedeln neuer an sich geeigneter
Wasserstellen; die Neubesiedlung erfolgt in der Regel zögernd, und es kann
Jahrzehnte dauern, bis sich eine stabile Population gebildet hat. Auch dort,
wo Erdkröten in scheinbar neuen Wasserstellen, etwa in Kiesgruben,
erscheinen, handelt es sich manchmal um Ersatz für einen wenige Jahre früher
zerstörten dauerhaften Laichplatz. Der schnelle Landschaftswandel hat zur
Folge, dass für die Erdkröte Laichplätze schneller verschwinden (besonders
alte oder bereits als Ersatz dienende Teiche in Kiesgruben) als neue
Angebote genutzt werden können.
Zweiter bekannter Faktor, der die Populationen vor allem in ihrer Stärke
treffen kann, ist der Strassentod. Er hängt mit der Ortstreue in Verbindung
mit der grossen Distanz zwischen Laich- und Sommerplatz zusammen und trifft
erstmals die Jungtiere beim Ausschwärmen, dann aber auch die Erwachsenen auf
jeder Herbst- und Laichwanderung sowie bei der Rückkehr ins Sommerquartier.
Die Verluste fallen besonders bei Populationen ins Gewicht, denen eine stark
befahrene Strasse die Zugroute in der Nähe des Laichplatzes durchschneidet,
wo sich die Kröten konzentrieren. An Seeufern und Laichstellen in Flussnähe,
wo die Tiere den Laichplatz nur von einer Seite her erreichen können, werden
nicht selten ganze Populationen vernichtet.
Aufgrund ihrer Lebensweise muss der Artenschutz der Erdkröte bei den
Populationen ansetzen. Bezüglich der Laichplätze steht der konservierende
Schutz ganz im Vordergrund, wobei speziell auf die Erhaltung von Plätzen
(z.B. in Kiesgruben) zu achten ist, die dem Menschen landschaftlich
unbedeutend erscheinen. Beim Strassentod dagegen steht der manipulierende
Schutz der Wanderzüge im Vordergrund. Darüber und über die Kombination
verschiedener Massnahmen geben die Publikationen "Amphibien und Verkehr" I,
II und III der
KARCH
Auskunft.
Text:
Hans
Heusser
Quelle:
KARCH (www.karch.ch)
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
Naturhistorisches Museum
Bernastrasse 15
3005 Bern
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