|
Merkmale:
Die
Gelbbauchunke () wird kaum 5
cm gross, hat einen ovalförmigen Körper und eine stark warzige Haut. Mit
ihrer lehmbraunen Rückenfärbung ist sie in ihrer typischen Umgebung
hervorragend getarnt. Unverwechselbar ist der gelb und schwarz bis bläulich
gemusterte Bauch, der eine individuelle Erkennung erlaubt. Nur während der
Paarungszeit sind Männchen mit ihren schwarzen Schwielen an Unterarm und
Daumen von Weibchen zu unterscheiden. Der Paarungsruf der Männchen ist ein
leises, regelmässiges "uh - uh - uh", das sie oft frei auf der
Wasseroberfläche schwimmend ausstossen.
Die Eier werden einzeln oder als kleine Klumpen im flachen Wasser an
Pflanzen, Zweige oder direkt auf den Gewässerboden geklebt. Meistens sind
die Eier oberflächlich getrübt. Die Kaulquappen sind graubraun gefärbt,
eiförmig und haben einen gewölbten Schwanz, dessen Ansatz bis zur
Rückenmitte reicht. Auffallend ist besonders bei jungen Kaulquappen eine
durchsichtige Aussenhaut. Der Flossensaum ist ausserdem mit netzartigen
Linien versehen. Zu verwechseln sind ausgewachsene Tiere und Kaulquappen mit
der verwandten Geburtshelferkröte.
Verbreitung, Lebensraum
Die Gelbbauchunke ist von den Pyrenäen über Mitteldeutschland und Italien
bis nach Griechenland und ans Schwarze Meer verbreitet. Es werden mehrere
Unterarten unterschieden. Im Norden und Osten wird sie in tieferen Lagen von
der nahe verwandten Rotbauchunke abgelöst.
In der Schweiz ist die Gelbbauchunke auf der ganzen Alpennordseite bis gegen
700 m.ü.M. verbreitet. In Einzelfällen wurden Tiere bis auf 1600 m.ü.M.
gefunden.
Natürliche Lebensräume der Gelbbauchunke sind Flusstäler, Auen, Riedgebiete,
feuchte Wälder und Rutschgebiete. In der Kulturlandschaft besiedelt sie
heute vor allem Abbaugebiete sowie Bau- und Deponiegelände mit
Feuchtstellen. Früher scheint sie häufig in der Umgebung von Bauernhöfen,
auf Weiden sowie an Fahrwegen und Gräben vorgekommen zu sein.
Als Laichgewässer eignen sich warme, flache Kleingewässer. Die Kaulquappen
ertragen sehr hohe organische Belastung des Wassers wie auch hohe
Temperaturen bis zu 36 °C und sogar kurzfristige Trockenheit. Günstige
Laichgewässer führen im Sommer mindestens 3 Monate lang Wasser, trocknen
aber jedes Jahr aus oder werden ausgespült. Durch das Austrocknen werden
potenzielle Fressfeinde eliminiert. Die Unke vermeidet kühle, tiefgründige
und dauernd wasserführende Weiher, wo ihre Kaulquappen von Feinden
aufgefressen werden. Sie geht dafür das Risiko ein, dass die Kaulquappen in
einem austrocknenden Gewässer sterben. Die Laichgewässer können Regentümpel,
stehende Pfützen in Rinnsalen oder gelegentlich ausgespülte Tümpel am Rand
von Fliessgewässern sein. Gern werden sonnige, wenig befahrene Radspurtümpel
zur Laichablage genutzt.
Landlebensräume müssen ganzjährig genügend Bodenfeuchtigkeit und Verstecke
aufweisen. Dazu eignet sich die Streuschicht von Krautfluren, liegendes Holz
oder Gras sowie lockerer Waldboden.
Lebensweise
Gelbbauchunken können im Freiland mindestens 15 Jahre alt werden. Eine
Population kann demnach mehrere Jahre ohne Fortpflanzung überdauern. Die
Geschlechtsreife erreichen die Unken in der Regel nach zwei Überwinterungen.
Die Paarungszeit dauert von Ende April bis Anfang August mit einem Höhepunkt
im Mai und Juni. Die Männchen halten sich oft längere Zeit im Laichgewässer
auf. Weibchen kommen meistens nur nach Regen zur Laichablage ans Wasser.
Ein Weibchen legt pro Sommer bis zu 200 Eier, oft aber weniger als 50. Es
kann mehrmals im Sommer Eier ablegen. So wird das Risiko verteilt, das die
wenigen Nachkommen gefressen werden oder vertrocknen. Die Entwicklung der
Kaulquappen dauert ein bis zwei Monate.
Von April bis September sind immer wieder Unken im Wasser anzutreffen. Es
findet aber ein ständiger Individuenaustausch statt. Der überwiegende Teil
der Tiere hält sich versteckt an Land auf.
Unken gelten als wanderfreudig und können neue Lebensräume über mehrere
Kilometer hinweg besiedeln. Solche Neubesiedlungen erfolgen weitgehend durch
Jungtiere. Alttiere erweisen sich dagegen oft als ausgesprochen ortstreu und
können jahrelang an einem Ort ausharren, der für die Fortpflanzung nicht
mehr geeignet ist.
Oft sind Gelbbauchunken am Tag im Wasser zu beobachten. Die grösste
Aktivität findet aber nachts statt. Die Nahrung der Unken besteht aus
allerlei lebenden Kleintieren, die sie am Boden finden. Unken verfügen über
ein hochgiftiges Hautsekret, das sie vor Bakterien wie auch vor Fressfeinden
schützt. An Land sind besonders Vögel und grosse Laufkäfer gefährliche
Feinde. Die Kaulquappen sind eine leichte Beute für Fische, Molche,
räuberische Insekten und Vögel.
Gefährdung und Förderung
Die Gelbbauchunke ist in der Schweiz gefährdet, regional sogar stark
gefährdet. Bereits im 19. Jahrhundert haben die grossen Flusskorrektionen zu
einem Verlust von Lebensräumen geführt. Dramatisch war der Rückgang von
Vorkommen aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg, vor allem seit den 80er
Jahren. Die wichtigsten Ursachen für den Verlust von Lebensräumen der Unken
sind die Trockenlegung von Feuchtgebieten, die Verbauung von Flüssen, die
Technisierung der Landwirtschaft und der Bauindustrie sowie die Ausräumung
von Randstrukturen und Brachland.
Vorrangig sind räumlich vernetzte Vorkommen zu erhalten, in denen
langfristig günstige Bedingungen gewährleistet werden können. Dabei sind
auch kleine Vorkommen mit weniger als 20 Tieren von Bedeutung. Bereits
geringfügige Nutzungsänderungen können die Vermehrung der Unken unterbinden.
Eine regelmässige Kontrolle der Vermehrung ist die Voraussetzung für
rechtzeitige Eingriffe zur Bestandeserhaltung.
Zur Förderung von Gelbbauchunken ist den Flüssen wieder mehr Raum und ihre
natürliche Dynamik zurück zu geben. Im Kulturland sind wieder vermehrt
sonnige, ständig offen gehaltene Feuchtstellen mit temporären Kleingewässern
sowie versteckreiche, feuchte Krautfluren und Gehölze anzubieten. Angebot
und Dauerhaftigkeit der Laichgewässer können von Jahr zu Jahr durchaus
schwanken, wenn mehrere verschiedene Wasserstellen nahe beieinander
vorhanden sind.
Text:
Jonas Barandun
Quelle:
KARCH (www.karch.ch)
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
Naturhistorisches Museum
Bernastrasse 15
3005 Bern
zurück |