|
Merkmale:
Männchen und Weibchen bis 55 mm.
Oberseite gelblich- bis bräunlichgrau mit undeutlichen dunkleren Flecken.
Unterseite weißlich, an den Beinen rötlich. Gedrungener Körper, Schnauze
zugespitzt, Pupille senkrecht, Trommelfell deutlich sichtbar. Oberseite mit
kleinen rundlichen Warzen, Unterseite gekörnt.
Besonderheit ist, dass die Männchen die Laichschnur bis zum Ende der
Embryonalperiode um die Hinterbeine gewickelt mit sich herumfragen und dann
die Larven ins Gewässer absetzen.
Rufe angenehmes, flötenreines "üh ... üh ... üh...etwa nach zwei Sekunden
ein kurzer Ruf. Aus größerer Distanz erinnern die Rufe an Glockengeläut,
daher auch der volkstümliche Name "Glockenfrosch".
Verbreitung Lebensraum
Die Geburtshelferkröte ist in Südwesteuropa verbreitet und stösst in der
Schweiz an ihre südöstliche Verbreitungsgrenze (sie fehlt südlich der
Alpen). Die meisten Populationen liegen zwischen 200 und 700 (einzelne bis
über 1500) m ü. M. im Hügelland und in den Voralpen.
Die Geburtshelferkröte pflanzt sich in verschiedenen Gewässern fort. Die
Wasserfläche kann von wenigen bis über 1000 Quadratmetern betragen, die
Gewässer können stark bewachsen oder auch kahl sein, sonnig oder schattig
und kühl. Die Geburtshelferkrötenlarven haben mit 21.9-25.3°C eine tiefere
Vorzugstemperatur als andere Amphibienlarven. Tümpel in Gruben und
Steinbrüchen, verschiedene Nutzweiher (z. B. Feuerweiher), Rinnsale und
andere Gewässer in Auengebieten, Flusskolke oder sogar nicht allzu stark
fliessende Stellen in Bächen oder Flüssen werden als Fortpflanzungsgewässer
genutzt. Die meisten besiedelten Gewässer führen ganzjährig Wasser, so dass
ein Teil der Larven im Wasser überwintern kann. Kurzzeitiges Einfrieren
können die Larven überleben. Grössere Fischdichten oder Fische in Gewässern
mit wenig Unterschlupfmöglichkeiten verhindern eine Besiedlung durch
Geburtshelferkröten.
Spezieller scheinen die Ansprüche der Art an ihren dem Gewässer möglichst
nahe gelegenen Landlebensraum zu sein. Die Tiere halten sich bevorzugt an
sonnenexponierten, sandigen, lehmigen oder locker-humosen und leicht
rutschenden Hängen oder Böschungen mit lockerem Boden und wenigstens
stellenweise spärlicher Vegetation auf. Gut geeignet sind auch besonnte,
fugenreiche Mauern, Terrassen, Treppen, Steinhaufen, Steinplatten oder
Holzstapel. Häufig werden neben Böschungen Gruben oder Gärten mit lockerem
Erdreich, Hohlräumen und Steinplatten, besiedelt, aber auch besonnte
Waldränder und extensive Weiden können als Sommerlebensraum genutzt werden.
Die Geburtshelferkröte bevorzugt hohe Temperaturen (Vorzugstemperatur von
über 30°C) und mittlere Feuchtigkeit.
Ursprünglich wohl in Auengebieten, in Bachböschungen, in Geröllhalden sowie
in Rutschgebieten im Hügelland verbreitet, lebt die Geburtshelferkröte heute
vor allem in den bereits erwähnten, vom Menschen gestalteten Lebensräumen.
Biologie
Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist einzigartig unter den
einheimischen Amphibien: Sie ist der einzige einheimische Froschlurch, der
sich an Land paart, die Eier nicht ins Wasser ablegt, Brutpflege betreibt
und dessen Larven häufig vor der Metamorphose einmal im Gewässer
überwintern. Ihre Fortpflanzungssaison dauert von März bis August (bis
September). In der Regel sind die Tiere dämmerungs- und nachtaktiv. Die
Männchen beginnen bevorzugt an feuchtwarmen Abenden aus ihren Verstecken an
Land zu rufen. Im Verlauf des Abends bewegen sie sich zu den Ausgängen ihrer
zum Teil selbstgegrabenen Wohnhöhlen. Ihr Ruf ist ein flötendes üh üh üh,
das in Abständen von 1 bis 8 Sekunden erzeugt wird, je nach Temperatur und
Erregungszustand. Rufen mehrere Männchen gleichzeitig in jeweils leicht
unterschiedlichen Tonhöhen, erinnert der Klang von fern an ein Glockenspiel
oder an Kuhglocken. Sobald sich ein Weibchen nähert, wird es vom Männchen in
der Lendengegend umklammert. Nach einer längeren Stimulierphase, in der das
Männchen mit wippenden Bewegungen die Kloake des Weibchens mit den Zehen
wiederholt touchiert, bildet das Pärchen mit den Hinterbeinen ein Körbchen,
in dem die innerhalb weniger Sekunden austretenden 20 bis 70 Eier
aufgefangen und besamt werden. Das Männchen stützt sich nun mit seinen
Vorderbeinen bei der Schulterregion des Weibchens ab. Nach einer Ruhepause
streckt es seine Hinterbeine mehrmals durch den Laich, so dass sich die
Laichschnüre um seine Fersengelenke wickeln. Darauf verlässt es das Weibchen
und beginnt schon bald wieder zu rufen. In den folgenden Nächten kann
dasselbe Männchen noch ein, selten zwei weitere Gelege übernehmen, danach
begibt es sich in sein unterirdisches, feuchtwarmes Versteck und lebt die
folgenden 20 bis 45 Tage sehr verborgen. Mit den reifen Eiern begibt es sich
ans Fortpflanzungsgewässer. Einige Minuten nach dem Wasserkontakt beginnen
die 12 bis 20 mm langen Larven zu schlüpfen. Beim Schlüpfzeitpunkt sind sie
schon recht weit entwickelt und weisen schon innere Kiemen auf. Nach dem
Schlupf streift das Männchen das leere Eipaket im Wasser ab, geht an Land
und beginnt wieder zu rufen. Geburtshelferkröten können sich bis drei
(seltener bis vier) mal im Jahr fortpflanzen. Je nach Schlüpfzeitpunkt,
Nahrungsangebot und Temperatur verwandeln sich die Kaulquappen noch im
gleichen Herbst zu landlebenden Tieren oder überwintern als Larven im
Gewässer. Solche Larven können bis 9 cm lang werden und wandeln sich im Mai
/ Juni des folgenden Jahres um. Damit sind sie die grössten Kaulquappen der
einheimischen Amphibienarten.
Mit zwei bis drei Jahren sind die Tiere geschlechtsreif. Sie können über 8
Jahre alt werden.
Die Geburtshelferkröte wandert nur über relativ kurze Distanzen,
Neubesiedlungen von neu entstandenen Lebensräumen sind nur bis 1.5 km
Distanz nachgewiesen und kommen selten vor.
Gefährdung und Schutz
In den letzten Jahren hat die Geburtshelferkröte in der Schweiz einen
bedenklichen Rückgang erlitten. Verantwortlich dafür sind vor allem der
Verlust bzw. die Veränderung von Lebensräumen. Die Zerstörung von Gewässern,
der Besatz mit Fischen oder Enten, aber auch die Versiegelung von Strukturen
des Landlebensraumes (Mauern, Terrassen), die Beschattung und Verbuschung
der Landlebensräume oder Bewirtschaftungsänderungen (z.B. intensivere
Beweidung) können das Aussterben von Populationen bewirken. Ein Teil der
Rückgänge kann aber bei heutigem Wissensstand nicht erklärt werden.
In erster Priorität sollten alle bestehenden Populationen erhalten und
gefördert werden.
Konkret sollten keine Gewässer, die aktuell oder potentiell durch die
Geburtshelferkröte genutzt werden, zerstört oder zu Fisch- oder Ententeichen
umgenutzt werden. Fischfreie, stehende Gewässer sollten in der Umgebung
bestehender Populationen neu erstellt oder aufgewertet werden.
Besonnte, unverfugte Mauern, sowie weitere Stein-, Sand- und Holzstrukturen
mit Hohlräumen sollen unversiegelt erhalten bzw. an geeigneten Standorten
neu erstellt werden. Besonnte, lockererdige bzw. sandige Böschungen mit
Verstecken sollen vor dem Verbuschen geschützt werden.
Um die Geburtshelferkröte längerfristig erhalten zu können, sind wir auf die
Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Gastgeber und Nachbarn der
Geburtshelferkröten können sich von den Fachleuten der
KARCH beraten lassen.
Text:
Claude Meier
Quelle:
KARCH
(www.karch.ch)
Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz
Naturhistorisches Museum
Bernastrasse 15
3005 Bern
zurück |